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Als Hoffmann am andern Morgen erwachte, hatte ſich einer von jenen bleichen Wintertagen von Paris erhoben und drang bis an das Bett durch den vom Fenſter geriſſenen Vorhang. Er ſchaute umher, denn er wußte nicht, wo er war, und fühlte, daß eine träge Maſſe auf ſeinem linken Arm laſtete. Er neigte ſich auf die Seite, wo die Erſtarrung ſein Herz erreichte, und erkannte neben ihm liegend, nicht mehr die ſchöne Tän⸗ zerin der Oper, ſondern das bleiche Mädchen vom Re⸗ volutions⸗Platze.
Da erinnerte er ſich aller Umſtände, zog unter die⸗ ſem ſtarren Körper ſeinen eiskalten Arm vor, ergriff, als er ſah, daß dieſer Körper unbeweglich blieb, einen Candelabre, auf dem noch fünf Kerzen brannten, und gewahrte bei der doppelten Helle des Tags und der Kerzen, daß Arſene ohne Regung, bleich war und die Augen geſchloſſen hatte.
Sein erſter Gedanke war, die Ermüdung ſei ſtärker geweſen als die Liebe, als das Verlangen, als der Wille, und Arſene ſei ohnmächtig. Er nahm ihre Hand, ihre Hand war eiskalt; er ſuchte die Schläge ihres Herzens, ihr Herz ſchlug nicht mehr.
Da durchzuckte eine gräßliche Idee ſeinen Geiſt; er hing ſich an die Klingelſchnur, ſie zerriß in ſeinen Hän⸗ den; er ſtürzte nach der Thüre, öffnete ſie, ſprang die Stufen hinab und ſchrie:
„Zu Hülfe! zu Hülfe!“
Ein kleiner ſchwarzer Mann ſtieg in derſelben Mi⸗ nute die Treppe herauf, als Hoffmann hinabeilte. Er ſchaute empor, Hoffmann ſtieß einen Schrei aus, er hatte den Arzt der Oper erkannt.
„Ah! Sie ſind es, mein lieber Herr,“ ſagte der Doctor, der Hoffmann ebenfalls erkannte,„was gibt es denn, und warum all dieſer Lärmen?“
„Oh! kommen Sie, kommen Sie,“ ſprach Hoffmann, ohne daß er ſich die Mühe gab, dem Arzt zu erklären, was er von ihm erwartete, und in der Hoffnung, der
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