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wiverſtehlichen Anziehungskraft. Sie hatte zur Scene den ganzen Raum genommen, der das Klavier vom Alcoven trennte, und von dem rothen Grunde des Vor⸗ hangs hob ſie ſich wie eine Erſcheinung der Hölle ab. So oft ſie vom Hintergrunde zu Hoffmann zurückkam, erhob ſich Hoffmann auf ſeinem Stuhl; ſo oft ſie ſich gegen den Hintergrund entfernte, fühlte ſich Hoffmann auf ihren Schritten nachgezogen. Endlich, ohne daß Hoffmann wußte, wie das zuging, änderte ſich der Tact unter ſeinen Fingern; es war nicht mehr die Melodie, die er gehört, was er ſpielte, ſondern ein Walzer; die⸗ ſer Walzer war die Sehnſu cht von Beethoven; wie ein Ausdruck ſeines Gedanfens hatte er ſich unter ſeine Finger geſetzt. Arſene hatte ihrerſeits auch den Tact verändert; ſie drehte ſich Anfangs auf ſich ſelbſt, dann erweiterte ſie allmählig den Kreis, den ſie zog, und näherte ſich Hoffmann; keuchend fühlte ſie Hoffmann fommen, fühlte er ſie nahen; er begriff, ſie würde ihn beim letzten Kreis berühren und er wäre dann genöthigt, ebenfalls aufzuſtehen und an dieſem glühenden Walzer Theil zu nehmen. Es war bei ihm zugleich Sehnſucht, Verlangen und Bangigkeit. Endlich ſtreckte Arſene vor⸗ übertanzend die Hand aus und ſtreifte ihn mit ihren Fingerſpitzen. Hoffmann gab einen Schrei von ſich, als ob ihn der elektriſche Funke berührt hätte, ſtürzte der Tänzerin auf der Spur nach, holte ſie ein, um⸗ ſchlang ſie mit ſeinen Armen, ſetzte in ſeinem Geiſte die in der Wirklichkeit unterbrochene Melodie fort, preßte an ſein Herz dieſen Körper, der ſeine Elaſticität wieder⸗ gewonnen hatte, verzehrte die Blicke ihrer Augen, den Athem ihres Mundes, verſchlang mit ſeinen Einſaugun⸗ gen dieſen Hals, dieſe Schultern, dieſe Arme, und drehte ſich nicht mehr in jener athembaren Luft, ſondern in einer Flammenatmoſphäre, welche, bis in die Tiefe der Bruſt der zwei Walzenden einſtrömend, dieſe am Ende keuchend und in der Ohnmacht des Wahnwitzes auf das Bett warf, das ihrer harrte.


