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„Trinken wir,“ ſagte ſie.
Und ſie reichte ihm ihr Glas.
Die zweite Flaſche war geleert.
Hoffmann fühlte indeſſen, daß ihm die Weintrun⸗ kenheit nicht genügte. 3
Er erblickte ein Klavier.
„Gut!..“ rief er. Er hatte begriffen, welche Quelle ihm die Trunkenheit der Muſtk bot.
Er ſtürzte nach dem Klavier.
Unter ſeinen Fingern entſtand natürlich jene Me⸗ lodie, auf welche Arſene das Pas de trois in der Oper Paris tanzte, als er ſie zum erſten Mal ſah.
Nur kam es Hoffmann vor, als wären die Saiten des Klaviers von Stahl. Das Inſtrument machte für ſich allein einen Lärmen wie ein ganzes Orcheſter.
„Ah!“ rief Hoffmann,„das iſt gut!“
Er hatte in dieſem Lärmen die Berauſchung ge⸗ funden, die er ſuchte; Arſene erhob ſich bei den erſten Accorden.
Dieſe Accorde hatten wie ein Feuernetz ihre ganze Perſon zu umhüllen geſchienen.
Sie warf fern von ſich den Vorhang von rothem Damaſt, und ſeltſamer Weiſe, wie eine zauberhafte Ver⸗ wandlung auf dem Theater vorgeht, ohne daß man weiß, durch welches Mittel, hatte ſich eine Verwandlung an ihr bewerkſtelligt, und ſtatt in ihrem grauen Kleide, ſtatt mit ihren jeder Verzierung entbehrenden Schul⸗ tern, erſchien ſie wieder im Coſtume von Flora, ganz rieſelnd von Blumen, ganz dunſtig von Gaze, ganz ſchauernd von Wolluſt.
Hoffmann ſtieß einen Schrei aus, verdoppelte ſeine Energie und ſchien eine hölliſche Gewalt aus dieſer un⸗ ter ihren ſtählernen Fibern ſchallenden Bruſt des Kla⸗ viers hervorſpringen zu machen.
Dann verwirrte dieſelbe Luftſpiegelung den Geiſt von Hoffmann. Dieſe ſpringende Frau, welche ſich ſtufenweiſe belebt hatte, wirkte auf ihn mit einer un⸗
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