Teil eines Werkes 
9.-13. Bdchn (1850)
Entstehung
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und in der Dunkelheit, dieſes unſelige Gerüſte, deſſen blutiges Bild vielen Geiſtern zu dieſer Stunde vor⸗ ſchweben mußte.

Welchen Contraſt bot ihm, der aus dem Spielſaal herkam, der öde Platz, deſſen ewiger Gaſt das Schaffot war. Nach dem Schauſpiel des glühenden, mitten in ſeinen leidenſchaftlichen Ergüſſen und größten Mißbräu⸗ chen erhaſchten Lebens, das Schauſpiel des Todes, die Verlaſſenheit, die Gefühlloſigkeit!

Hoffmann ging alſo, wie durch eine magnetiſche Kraft angezogen, auf die Guillotine zu

Plötzlich, und beinahe ohne zu wiſſen, wie dies ge⸗ ſchehen war, fand er ſich von Angeſicht zu Angeſicht vor demſelben.

Der Wind pfiff in den Brettern.

Hoffmann kreuzte ſeine Haͤnde über ſeiner Bruſt und ſchaute.

Wie viele Dinge mußten in dem Geiſte dieſes Man⸗ nes aufgehen, der, die Taſchen voll Gold und auf eine Nacht der Wolluſt zählend, dieſe Nacht einſam einem Blutgerüſte gegenüber zubrachte!

Mitten unter dieſen Gedanken kam es ihm vor, als vermiſchte ſich eine menſchliche Klage mit den Klagen des Windes.

Er neigte den Kopf vorwärts und horchte.

Die Klage wiederholte ſich, ſie kam nicht von fern, ſondern von unten.

Hoffmann ſchaute umher und ſah Niemand.

Ein drittes Stöhnen drang indeſſen an ſein Ohr.

Man ſollte glauben, es wäre eine Frauenſtimme, welche unter dem Schaffot hervorkäme, murmelte er.

Dann bückte er ſich, um beſſer zu ſehen, und fing an um die Guillotine her zu gehen. Als er an der ſchrecklichen Treppe vorbeiging, ſtieß ſein Fuß an etwas; er ſtreckte die Hände aus und berührte ein auf den er⸗ ſten Stufen dieſer Treppe hockendes, ganz ſchwarz ge⸗ kleidetes Weſen.