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lotine fortgeriſſen, wie ein trunkener Menſch, der im Koth das weiße Kleid ſeiner Braut ſchleppen würde.
Der Lurus war den feilſten Dirnen überlaſſen; die Tugend mußte mit Lumpen bedeckt gehen.
Das war eine von den Wahrheiten, welche der Cercle Social gefunden hatte.
Und doch gab ſich dieſes Volk, das der Welt einen ſo gewaltigen Impuls verliehen hatte, dieſes Pariſer Volk, bei dem leider der Vernunftſchluß nach der Be⸗ geiſterung kommt, weshalb es nie Kaltblütigkeit genug hat, um ſich der Dummheiten zu erinnern, die es ge⸗ macht, das Volk, ſagen wir, gab ſich, arm, entblößt, nicht vollkommen Rechenſchaft von der Philoſophie dieſer Antitheſe, und nicht mit Verachtung, ſondern mit Neid ſtieß es mit dem Ellbogen an die Kothköniginnen, an die häßlichen Majeſtäten des Laſters. Dann, wenn es, die Sinne belebt durch das, was es ſah, wenn es, das Auge in Flammen, Hand an den Körper legen wollte, welche aller Welt gehörten, verlangte man Gold von ihm, und wenn es keines hatte, ſtieß man es verächtlich zurück. So widerſprach ſich überall dieſer große durch das Beil proclamirte, mit Blut geſchrie⸗ bene Grundſatz der Gleichheit, auf welchen die Pro⸗ ſtituirten des Palais⸗Royal zu ſpeien berechtigt waren.
In Tagen, wie dieſe, hatte die moraliſche Ueber⸗ reizung einen ſolchen Grad erreicht, daß die Wirklich⸗ keit der ſeltſamen Widerſprüche bedurfte. Man tanzte nicht mehr auf dem Vulcan, ſondern im Vulcan ſelbſt; und an eine Luft von Schwefel und Lava gewöhnt, hätten ſich die Lungen nicht mehr mit den lauen Düften von einſt begnügt⸗
So erhob ſich das Palais⸗Royal jeden Abend, Alles mit ſeinem Feuerkranze beleuchtend. Ein ſteinerner Kuppler, ſchrie es über die finſtere Stadt hin.
„Es iſt Nacht, kommt! Ich habe Alles in mir, das Glück und die Liebe, das Spiel und die Frauen. Ich verkaufe Alles, ſogar den Selbſtmord und den


