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darichteten ſich meine Augen zufällig auf das Portrait mei⸗ ner armen Freundin. Ich ſagte ihm wie gewöhnlich guten Abend; es drang ein wenig Wind durch ein ohne Zwei⸗ fel theilweiſe offen gebliebenes Fenſter ein, der Wind machte die Flamme meiner Kerze ſchwanken, ſo daß es mir vorkam, als antwortete mir das Portrait durch eine der meinigen ähnliche Kopfbewegung: Guten Abend. Sie begreifen, daß ich die Viſion als Tollheit behandelte; doch ich weiß nicht, wie das kam, mein Geiſt war ganz davon in Anſpruch genommen und meine Augen konn⸗ ten den Rahmen nicht mehr verlaſſen; ah! Sie wiſſen, mein Freund, dieſes Paſtelbild geht in die erſten Tage meiner Jugend zurück und erweckt in mir alle mögli⸗ che Erinnerungen. Ich ſchwamm alſo im Andenken mei⸗ ner fünf und zwanzig Jahre. Ich ſprach zu meinem Portrait; mein Gedächtniß antwortete für daſſelbe, und obgleich mein Gedächtniß antwortete, kam es mir doch vor, als bewegte das Paſtelbild die Lippen; es kam mir vor, als vermiſchten ſich ſeine Farbenz es kam mir vor, als nähme ſeine Phyſtognomie einen traurigen Ausdruck an. Es ſchlug in dieſem Augenblick Mitternacht in der Kirche der Karmeliter; bei dieſem traurigen Klang nahm das Geſicht meiner armen Freundin einen immer ſchmerz⸗ licheren Ausdruck an. Der Wind wehte. Bei dein letz⸗ ten Schlag der zwölften Stunde öffnete ſich das Fenſter des Cabinets heftig. Ich hörte etwas wie eine Klage durchziehen. Es ſchien mir, die Augen des Portraits ſchloſſen ſich. Der Nagel, der es hielt, brach ab; das Portrait fiel und meine Kerze erloſch.
„Ich ſtand auf, um ſie wieder anzuzünden, denn ich hatte keine Furcht und war nur lebhaft erregt; das Unglück wollte, daß ich kein Schwefelhölzchen fand; es war zu ſpät, um zu rufen, und ich wußte nicht, wo ich eines nehmen ſollte; ich ſchloß das Fenſter meines Ca⸗ binets wieder und legte mich ohne Licht nieder.
„Dies Alles hatte mich erſchüttert, ich war trau⸗ rig; ich fühlte in mir eine unglaubliche Luſt, zu weinen;
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