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Mitte von dieſen beiden Zimmern einen Bau errichtet, ähnlich jenem Meuble, das man in den Mittelpunkt der Salons ſtellt, daß man ſich rings darum ſetzen kann. Durch dieſen Bau, der eine zweite Bibliothek in einer erſten darſtellte, ließ die Mitte des Zimmers nicht mehr frei, als einen viereckigen Raum, in dem eine einzige Perſon frei walten konnte. Eine zweite Perſon hätte die Circulation gehemmt; es kam auch ſelten vor, daß Herr von Villenave Jemand, und war es auch ein ver⸗ trauter Freund, in dieſes Allerheiligſte einführte.
Einige Bevorzugte hatten ihren Kopf durch die Thüre geſtreckt und durch den gelehrten Staub, der be⸗. ſtändig in leuchtenden Atomen in der Luft herumflog, in den ſpärlichen Sonnenſtrahlen, welche in dieſes Ta⸗ bernakel eindrangen, die bibliographiſchen Geheimniſſe von Herrn von Villenave erſchauen können, wie Clau⸗ dius dadurch, daß er ſich als Weib verkleidet, vom Atrium des Tempels dee Iſis einige von den Geheim⸗ niſſen der guten Göttin zu erlauern im Stande gewe⸗ ſen war.
Hier fanden ſich die Autographe: das Jahrhundert Ludwigs XIV. nahm allein fuͤnf hundert Eartons ein.
Hier waren die Papiere von Ludwig XVI., der Briefwechſel von Malesherbes, vier hundert Autographe von Voltaire, zwei hundert von Rouſſeauz hier waren die Genealogien aller adeligen Familien Frankreichs mit ihren Verwandtſchaften und Ahnenproben. Hier fanden ſich die Zeichnungen von Raphael, von Giüulio Romano, von Lenardo da Vinci, von Andrea del Sarto, von Lebrun, von Leſueur, von David, von Thiers, die Mineralienſammlungen, die ſeltſamen Herbarien, die ein⸗ zigen Handſchriften.
Hier endlich war die Arbeit von fünfzig Jahren, verwendet Tag für Tag auf einen einzigen Gedanken, eingenommen Stunde für Stunde von einer zugleich ſo ſanften und ſo glühenden Leidenſchaft des Sammlers,
Tauſend und ein Geſpenſt. M. 2


