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lich war ſie minder frei, minder beluſtigend, minder witzig, als wenn er nicht zugegen.
Das war gerade vas Gegentheil vom Salon von Nodier: je mehr Nodier zu Hauſe, deſto mehr war Je⸗ der zu Hauſe.
Zum Glück kam Herr von Villenave ſelten in den Salon herab. Herr von Villenave hielt ſich gewöhn⸗ lich in ſeinen Zimmern auf, das heißt, im zweiten Stocke, und an gewöhnlichen Tagen erſchien er nur beim Mittageſſen; denn wenn er nach dem Mittageſſen einen Augenblick geplaudert hatte, wenn er ein wenig mit ſeinem Sohn moralifirt, mit ſeiner Frau gezankt hatte, ſtreckte er ſich in ſeinem Lehnſtuhl aus, ſchloß die Augen, ließ ſich von ſeiner Tochter ſeine Haarwickeln anlegen und ging dann wieder in ſeine Wohnung hinauf.
Dieſe Viertelſtunde, während welcher der Zahn des Kammes ihm ſanft den Kopf kratzte, war die Viertel⸗ ſtunde täglicher Glückſeligkeit, die ſich Herr von Ville⸗ nave erlaubte.
Doch warum dieſe Haarwickeln? wird der Leſer fragen.
Einmal war das vielleicht nur ein Vorwand, den Kopf gekratzt zu bekommen.
Sodann war, wie geſagt, Herr von Villenave ein herrlicher Greis, der ein bewunderungswürdiger junger Mann geweſen ſein mußte, und ſein Geſicht mit den ſtark ausgeprägten Zügen fand einen wunderbaren Rahmen in den Wellen weißer Haare, welche den mäch⸗ tigen Blitz ſeiner großen ſchwarzen Augen noch ſchärfer hervorſpringen machten.
Endlich, man muß es geſtehen, war Herr von Ville⸗ nave, obgleich ein Gelehrter, eitel, jedoch eitel auf ſei⸗ nen Kopf und nicht mehr.
Im Uebrigen lag ihm wenig daran, ob ſein Frack blau oder ſchwarz, ob ſeine Hoſe eng oder weit, ob die Spitze ſeines Stiefels rund oder viereckig, das war die
* Sache ſeines Schneiders, ſeines Schuhmachers oder


