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mache Gebrauch von ihrem Character, ich benütze ihre Originalität. Dauert der Zwiſchenact nur zehn Minu⸗ ten, ſo iſt dies mehr als ich brauche, um das Karten⸗ haus aufzubauen, in das ich ſie fortführe, und es iſt mit meinem Schloß von dramatiſchen Karten, wie mit der Rede oder der Predigt, von der ich vorhin ſprach. Mein Kartenhaus iſt beinahe nie das des Verfaſſers,
ſo daß, wie ich aus meinem Traume eine Wirklichkeit
gemacht habe, die Wirklichkeit mir als ein Traum er⸗ ſcheint; ein Traum, den ich zu bekämpfen ganz bereit bin, indem ich ſage:„Es iſt nicht ſo, Herr Arthurz es iſt nicht ſo, Fräulein Honorine. Sie gehen zu ge⸗ ſchwinde oder ſie gehen zu langſam; Sie wenden ſich rechts, ſtatt ſich links zu wenden; Sie ſagen ja, wäh⸗ rend ſie nein ſagen ſollten. Oh! oh! ohl das iſt un⸗ erträglich.“
Bei den hiſtoriſchen Stücken iſt es noch viel ſchlim⸗ mer. Ich bringe natürlich mein Stück ganz auf den Titel gemacht mit, und da es in meinen Fehlern ge⸗ macht iſt, das heißt mit einem Ueberluß an Details, mit abſoluter Characterſtrenge, mit doppelter, dreifacher, vierfacher Intrigue, ſo gleicht mein Stück ſelten auch nur entfernt dem, welches man darſtellt. So daß, was für die Andern ein Vergnügen iſt, für mich ganzkein⸗ fach zur Marter wird.
Meine Collegen ſind nun gewarnt: laden ſie mich zu ihren erſten Vorſtellungen ein, ſo wiſſen ſie, unter wel⸗ cher Bedingung ich komme.
Ich that an dieſem Abend bei Herrn von Villenave was ich bei Jedermann thue; da ich jedoch bei drei Vierteln ſeiner Rede kam, ſo fing ich damit an, daß ich ihn anſchaute, ſtatt ihm zuzuhören.
Es war damals ein großer Greis von vier und ſechzig bis fünf und ſechzig Jahren, mit ſchönen ſilber⸗ grauen Haaren, bleicher Geſichtsfarbe und lebhaften ſchwarzen Augen; es lag in ſeinem Anzug, wenn ich ſo ſagen darf, jene zerſtreute Sorgfalt der Männer der


