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Der Courrier kam zurück, ich war frei, und wir begaben uns nach der Rue de Valvis.
Es wäre mir nicht möglich, Ihnen zu ſagen, an welchem Orte der Rue de Valois das Athenée ſeine Sitzungen hatte; dieſe war, glaube ich, die einzige, die ich beſuchte. Ich habe ſolche Verſammlungen, wo ein Einziger ſpricht und alle Welt zuhört, nie geliebt. Die Sache, von der geſprochen wird, muß ſehr intereſſant oder ſehr unbekannt ſein; der Sprechende muß ſehr beredt oder ſehr pittoresk ſein, daß ich einen Reiz bei einer ſolchen Rede ohne Controverſe finde, wobei der Widerſpruch eine Unſchicklichkeit, die Kritik eine Unhöf⸗ lichkeit iſt.
Ich habe nie bis zum Ende einen Redner, der ſpricht, oder einen Prediger, der predigt, anhören kön⸗ nen. Es gibt immer eine Ecke in ſeiner Rede, an der ich mich anhänge und die mich einen Halt in meinem Geiſte machen läßt, während er ſeines Weges geht. Bin ich einmal ſtehen geblieben, ſo betrachte ich ganz natürlich die Sache aus meinem Geſichtspunkte, ſo daß ich meine Rede oder meine Predigt ganz leiſe mache, während er ſie ganz laut macht. Beide am Ziele an⸗ gelangt, ſind wir, obſchon von demſelben Punkte aus⸗ gegangen, hundert Meilen von einander entfernt.
Daſſelbe iſt bei den Theaterſtücken der Fall; wohne ich nicht der erſten Vorſtellung eines für Arnal, für Graſſot oder für Ravel gemachten Stückes, das heißt eines Werkes bei, das völlig aus meinen Gewohnheiten heraustritt und das zu verfaſſen ich mich ganz naiv unfähig bekennen muß, ſo bin ich der ſchlechteſte Zu⸗ ſchauer, den es in der Welt geben kann. Iſt das Stück ein Werk der Phantaſie, ſo ſind die Perſonen, kaum auseinandergeſetzt, nicht mehr die des Autors, ſondern die meinigen. Im erſten Act nehme ich ſie und eigne mir dieſelben an. Statt des Unbekannten, was ich in den vier anderen Acten kennen lernen ſoll, führe ich ſie in vier weitere Acten von meiner Compoſition ein; ich
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