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den ſie ſich erworben, zu verlieren, nie etwas An⸗ deres als die Aufmerkſamkeiten eines alten Mandarinen, eines Freundes ihres Mannes, geſtatten wollte, der alle Tage zu ihr kam, um mit ihr den Verluſt, den ſie erlitten, zu beweinen. In Folge dieſer täglichen Be⸗ ſuche nahmen der Mandarin und die Witwe die Gewohn⸗ heit an, mit einander zu beweinen; die eine ihren Gatten, der andere ſeinen Freund; ſo daß man eines Morgens erfuhr, um den Verſtorbenen mit mehr Bequemlichkeit zu beweinen, werden ſich die zwei Untroſtlichen hei⸗ rathen.
„Ein Jahr nach dem Tode ihres erſten Mannes hatte alſo die ſchöne Vanly⸗Sching den Mandarin ge⸗ heirathet; doch als ſie einmal mit einander verbunden waren und vom Morgen bis zum Abend ſich gegenüber lebten, da weinten die Neuvermählten, wie es ſcheint, ſo viel, ſo viel, daß der Mandarin, der fünfzig Jahre alt war, dieſer Sündfluth von Thränen nicht zu wider⸗ ſtehen vermochte und nach zwei Monaten ſtarb.
„Die ſchöne Vanly⸗Tching, welche erſt fünfzehn zählte, ertrug natürlich den Schmerz beſſer, ſo daß ſie, obgleich ſie zugleich ihren erſten und ihren zweiten Mann zu beweinen hatte, bald wieder ſchöner und glänzender als je durch die Thränen erſchien.
„Sie hatte von ihrem Mandarin fünf bis ſechs hundert Pagoden geerbt, ſo daß ſie ſich mit dieſem Zu⸗ wachs an Vermögen in ein faſhionableres Quartier überſiedelte und einen ausgedehnteren Handel eröffnen konnte. Sie ging vom Fächer zum Porzellan über, und der Ruf der ſchönen Händlerin fing an ſich in Bidondo zu verbreiten.
„Dieſer Ruf verbreitete ſich dergeſtalt, daß der Civilrichter von Bidondo, der den erſten und den zweiten Mann der ſchönen Vanly⸗Tching genau gekannt hatte, und folglich zu ſchätzen im Stande war, wie glücklich der Doctor während der drei Monate und der Man⸗ darin während der zwei Monate, die ſie mit ihm gelebt,


