Teil eines Werkes 
5.-8. Bdchn (1850)
Entstehung
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war das junge Mädchen zur Frau geworden; Anna hatte ein Alter von zwanzig Jahren erreicht, während Don Bernardo fünf und dreißig Jahre zählte: ſie hatte das Gewand der Nonne angelegt, während er ſich in den Mantel des Ritters von Alcantara gehüllt.

Sie war die Braut des Herrn, er war der Ritter Chriſti.

Den zwei in demſelben Hauſe aufgezogenen jungen Leuten war, ſeit dem Austritt aus dieſem Hauſe, jede Mittheilung durch das Wort unterſagt, jeder Austauſch eines Blickes verboten.

Darum hatte ohne Zweifel der Anblick ſeiner Baſe in dem ſeltſamen Spiegel, worin er ihre Züge erſchaut, eine ſo lebhafte Bewegung im Herzen von Don Ber⸗ nardo von Zuniga hervorgebracht.

Er kehrte in das Schloß zurück, jedoch nachdenken⸗ der, düſterer, ſchweigſamer, als gewöhnlich, und ſogleich ſchloß er ſich in dem Zimmer ein, wo er das Portrait von Anna von Niebla als Kind geſehen hatte. Ohne Zweifel ſuchte er auf der Leinwand die beweglichen Züge, die er im Brunnen zitternd erſchaut, wiederzu⸗ finden, ihrer jugendlichen Entwickelung während der abgelaufenen zehn Jahre zu folgen, ſie im Hauche des Lebens ſich erſchließen zu ſehen, wie ſich die Blume in der Sonne erſchließt.

Er, der ſeit fünfzehn Jahren auf den Schlacht⸗ feldern, bei Ueberrumpelung der Lager, beim Erſtürmen der Städte gegen die Todfeinde ſeines Vaterlandes und ſeiner Religion kämpfte, ſuchte nicht einmal einen Augenblick dieſem furchtbareren Feinde zu widerſtehen, der ihn Leib an Leib angegriffen hatte und ihn beim erſten Schlage unter ſich bog.

Don Bernardo von Zuniga, der Ritter von Alcau⸗ tara, liebte Anna von Niebla, die Nonne der Unbe⸗ fleckten Empfängniß.

Er mußte fliehen, fliehen, ohne einen Augenblick zu verlieren, zu den wirklichen Kämpfen, zu den phyſi⸗

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