Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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ſteigen der Mauer hinderlich ſein konnte, machte er ſich an dieſes Manöver ſelbſt.

Sein Fuß ſuchte eine Fuge, was ihm auch leicht gelang; er ſchwang ſich hinauf, packte die Mauer⸗ kappe und ſprang auf der anderen Seite herab, ohne mit dem Körper den Firſt der Mauer berührt zu haben, über die er geſprungen.

Er nahm ſeinen Mantel wieder auf, warf ihn über die Schultern, hakte ihn zu, und kam durch den Obſtgarten mit raſchen Schritten nach einer klei⸗ nen Thüre, welche den Garten mit dem Kloſter ver⸗ band.

Als er über die Schwelle dieſer kleinen Thüre trat, ſchlug es eilf Uhr.

Roland blieb ſtehen, zählte die Schläge und ging langſam mit offenen Augen und Ohren um das Kloſter her; er ſah nichts und hörte nicht das ge⸗ ringſte Geräuſch.

Das Kloſter war ein Bild der Verwüſtung und Einſamkeit: alle Thüren ſtanden offen: die der Zellen, die der Kapelle, die des Refectoriums.

In dem Refectorium, einem ungeheuren Gemache, wo die Tiſche noch ſtanden, ſah Roland fünf bis ſechs Fledermäuſe flattern; eine aufgeſcheuchte Nacht⸗ eule flog durch ein zerbrochenes Fenſter hinaus, ſetzte ſich unfern von da auf einen Baum und ließ einen düſtern Schrei hören.

Gut, ſagte Roland laut,ich glaube, hier muß ich mein Hauptquartier aufſchlagen; Fledermäuſe und Nachteulen ſind der Vortrab der Geſpenſter.

Der Klang einer menſchlichen Stimme inmitten

dieſer Einſamkeit, dieſer Finſterniß und dieſer Wüſtenei