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daran gewoͤhnt mit der Liebe oder wenigſtens dem Scheine der Liebe zu leben und durch die Poeſie und das Behagen Familie, Gatten, Freunde und alles Uebrige zu erſetzen. Niemand außer Katharina von Medici, außer Chicot und einigen melancholiſchen Schatten, wenn dieſe aus dem dunkeln Reiche des Todes zuruͤck gekehrt wären, haͤtte ſagen
koͤnnen, warum die Wangen Margarethens bereits ſo blaß
waren, warum ſich unwillkuͤrlich ihre Augen mit Thränen unter lauter Traurigkeit fullten und warum endlich dies ſo tieffuhlende Herz ſelbſt in dem ſo ausdrucksvollen Blicke der Augen ſeine Leere ſehen ließ.
Margarethe hatte keine Vertrauten mehr und die arme Koͤnigin wollte keine haben, ſeit die andern fur ſchnoͤdes Gold ihr Vertrauen und ihre Ehre verkauft hatten.
Sie ging alſo allein und dies verdoppelte vielleicht in den Augen der Navarreſen, ohne daß ſie es ſelbſt wußten, die Majeſtät dieſer Haltung, die um ſo mehr in die Augen ſiel, da ſie frei von jeder Umgebung war.
Das Uebelwollen übrigens, das ihrem Gefuͤhle nach Heinrich empfand, war ein völlig inſtinctmäßiges und ſchrieb ſich mehr von dem Bewußtſein ihrer Fehltritte als von nietlichen Thun des Bearners her. Heinrich ſchonte in ihr eine Tochter Frankreichs; er ſprach ſiets mit der ga⸗ lanteſten Artigkeit oder der anmuthigſten Hingebung mit ihr und handelte bei jeder Gelegenheit und bei allen Din⸗ gen als Gemahl und Freund gegen ſie.
Deshalb war denn auch der Hof von Nerae wie jeder Hof, an welchem ein ungezwungenes Benehmen herrſchte, reich an geiſiger und phyſiſcher Harmonie.


