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„Erklaͤrt Euch naher. War der Brief meines Bruders in lateiniſcher Sprache geſchrieben?“
Ste.
„Warum das?“
„Ohne Zweifel weil das Lateiniſche eine kuhne Sprache iſt, die Sprache welche alles ausdrucken kann, die Sprache, in welcher Perſius und Juvenal die Thorheiten und Verir⸗ rungen der Koͤnige unſterblich machten.“
„Der Koͤnige?“
„Ja, und der Koͤniginnen, Sire.“
Die Augenbraunen des Königs runzelten ſich.
„Ich meine der Kaiſer und der Kaiſerinnen,“ verbeſ⸗ ſerte ſich Chicot.
„Ihr verſteht alſo Lateiniſch, Herr Chicot?“ fragte Heinrich kalt.
„Ja und nein, Sire.“
„Ihr ſeid gluͤcklich bei dem Ja, denn Ihr habt da viel vor mir voraus, da ich dieſe Sprache nicht verſtehe. Auch konnte ich mich des verdammten Lateiniſch wegen nicht recht an die Meſſe gewöhnen. Ihr verſteht es alſo?“
„Man hat es mich leſen lehren, Sire, wie auch das Griechiſche und Hebraͤiſche.“
„Das iſt ſehr bequem, Herr Chicot. Ihr ſeid alſo ein lebendiges Buch.“
„Ew. Maj. hat das rechte Wort gefunden, ein lebendi⸗ ges Buch. Man druckt einige Seiten in mein Gedächtniß, ſchickt mich dahin, wo man mich haben will, ich komme an und man lieſet und verſteht mich.“
„Oder verſteht Euch auch nicht.“


