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„Sehr fromm.“
„So viel ich weiß, wird doch im Schloſſe keine Meſſe geleſen, ſagte Chicot.—
„Da wißt Ihr es nicht genau. Keine Meſſe! Haltet Ihr uns fuͤr Heiden? Wenn der König mit ſeinen Herrn in die Kirche geht, läßt die Koͤnigin in einer Privatkapelle Meſſe leſen.“
„Die Konigin?“
Ja, j
„Die Koͤnigin Margarethe?“
Die Konigin Margarethe. Ich, ein unwuͤrdiger Prie⸗ ſter, habe ſelbſt zwei Thaler erhalten weil ich zweimal in dieſer Kapelle Meſſe geleſen habe. Sogar eine ſchöne Predigt hape ich über den Tert gehalten: Gott hat den guten Waßen von dem Unkraut geſondert. In dem Evan⸗ gelium ſteht zwar zu leſen: Gott wird ſondern, ich nehme aber an, es ſei bereits geſchehen, da es doch ſchon ſehr lange her iſt, daß das Evangelium geſchrieben wurde.“
„Und der König erfuhr etwas von dieſer Predigt?“
„Er hat ſie mit angehoͤrt.“
„Ohne ſich zu erzurnen?“
„Im Gegentheil, er gab ſeinen Beifall zu erkennen.“ „Ihr ſetzet mich in Verwunderung,“antwortete Chicot. „Ich muß hinzuſetzen,“ fiel der Officier ein,„daß man nicht blos in die Kirche und in die Weſſe geht; es giebt im Schloſſe auch gute Mahlzeiten, ungerechnet die Promena⸗ den und ich glaube nicht, daß die Schnurbaͤrte irgendwo in
Frankreich mehr umhergeführt werden als in den Alleen von Nerac.“


