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Zwanzig Jahre nachher. 11.-14. Bändchen
Entstehung
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hoch. Der Wall war alſo völlig ungenügend, und von Zeit zu Zeit hatte der Damm, von einer Volkswoge durchbrochen, die größte Mühe, ſich wiederherzuſtellen.

Bei jedem Durchbruche, ſo wohlwollend er auch war, denn er rührte von dem Verlangen der Pariſer her, ihren König und ihre Königin wiederzuſehen, deren ſie ſeit einem Jahre beraubt geweſen waren, ſchaute Anna von Oeſterreich dArtagnan beſorgt an; dieſer aber beruhigte ſie mit einem Lächeln.

Mazarin, der wohl um:Es lebe Mazarin! ſchreien zu laſſen, tauſend Louisd'or alsgegeben und die Rufe, die er gehört, nicht zu zwanzig Piſtolen an⸗ geſchlagen hatte, ſchaute Porthos ebenfalls unruhig an; aber der rieſige Garde antwortete auf dieſen Blick mit einer ſo ſchönen Baßſtimme:Seid unbeſorgt, Monſeigneur! daß ſich Mazarin beruhigte.

Als man zum Palais⸗Royal gelangte, fand man die Volksmenge immer größer. Sie war auf dieſen Platz durch alle anliegende Straßen geſtrömt, und man ſah wie einen großen, unruhigen Fluß die ganze Maſſe dem Wagen entgegenkommen und ſich ſtürmiſch in die Rue Saint⸗Honorés wälzen.

Als man den Platz erreichte, erſchollen mächtige Rüte;Es leben Ihre Majeſtäten! Mazarin legie ſich aus dem Kutſchenſchlage; zwei oder drei Rufe: Es lebe der Cardingl! begrüßten ſeine Erſcheinung; doch beinahe in demſelben Augenblick wurden ſie durch Pfeifen und Ziſchen unbarmherzig erſtickt. Mazarin erbleichte und warf ſich raſch zurück.

Canaillen! murmelte Porthos.

DArtagnan ſagte nichts; aber er kräuſelte ſeinen Schnurrbart mit einer eigenthümlichen Geberde, welche andeutete, daß ſeine gascogniſche Galle zu kochen begann.

Anna von Oeſterreich neigte ſich an das Ohr des jungen Königs und flüſterte ihm zu:

Macht ein freundliches Geſicht und richtet ein paar Worte an Herrn d'Artagnan, mein Sohn.

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