325
„Fürchtet Ihr nicht, mir viele Neider zuzuziehen, Herzogin?“ erwiederte Athos.
„Nein, ich werde incognito reiſen, Graf, unter
dem Namen Marie Michon.“
„Ihr ſeid anbetungswürdig, Madame.“
„Aber laßt Raoul nicht bei Euch.“
„Warum dieß?“
„Weil er verliebt iſt.“
„Er, ein Kind?“
„Er liebt auch ein Kind.“
Athos wurde träumeriſch.
„Ihr habt Recht, Herzogin: dieſe ſeltſame Liebe für ein Kind kann ihn eines Tages ſehr unglücklich machen. Man wird ſich in Flandern ſchlagen und er ſoll dahin gehen.“
„Bei ſeiner Rückkehr ſchickt Ihr ihn mir, und ich werde ihn gegen die Liebe panzern.“
„Ach! Madame,“ ſprach Athos,„heut zu Tage iſt
die Liebe wie der Krieg, und der Panzer iſt unnütz ge⸗ worden.“
In dieſem Augenblick trat Raoul ein. Er mel⸗ dete dem Grafen und der Herzogin, der Graf von
Guiche, ſein Freund, habe ihm mitgetheilt, am andern
Tage werde der feierliche Einzug des Königs, der Kö⸗ nigin und des Miniſters ftattfinden.
Am andern Morgen bei Tagesanbruch traf der Hof feierlich alle Vorkehrungen, um Saint⸗Germain zu verlaſſen.
Dif Königin hatte ſchon am Abend vorher d»Ar⸗
tagnan kommen laſſen. „Mein Herr,“ ſagte ſie zu ihm,„man verſichert mich, Paris ſei nicht ruhig. Ich habe bange für den König; ſtellt Euch an den Kutſchenſchlag rechts.“ Euere Majeſtät mag unbeſorgt ſein,“ erwiederte d'Artagnan,„ich ſtehe für den König.“. Und ſich vor der Königin verbeugend, trat er ab.
Als d'Artagnan die Königin verließ, ſagt ihm


