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aus einem koſtbaren Diamantſchmuck die Steine zu brechen, ſie ließ ſich durch den Eintritt des Edelmannes nicht ſtören.—
Der Rabe hockte auf ihrer Schulter, und wenn wie früher der Kater auf dem Sopha gelegen hätte, würde nichts an die Beraubung der Alten erinnert haben.
„Wir ſind arm, arme Leutel“ ſchrie der Rabe, während der Mar⸗ quis einen Stuhl an den Tiſch rückte und Platz nahm.
„Und der uns arm gemacht hat, ſitzt dort“, fügte Madame Leroi mit einem zornglühenden Blick hinzu.
„Das iſt eine kindiſche Vermuthung“, ſagte der Marquis,„ich habe keinen Antheil an dem Verbrechen gehabt. Der Ring iſt nicht in meine Hände gekommen, und es konnte wahrlich nicht in meiner Abſicht liegen, ihn in die Hände eines ruchloſen Verbrechers kommen zu laſſen. Weshalb rächt Ihr Euch nicht an dem Mann, der Euch beraubt und mißhandelt hat?“
„Die Stunde iſt noch nicht gekommen!“
„Das wäre ein triftiger Grund, wenn Ihr Euch nicht mit dem Burſchen verbündet hättet!“
Die Wahrſagerin blickte auf, ein höhniſcher Zug umzuckte ihre Mundwinkel.
„Wer behauptet das?“ fragte ſie.
„Ich! War er nicht ſoeben bei Euch?
„Nein!“
Der Edelmann ſtutzte. Dieſes„nein“ klang ſo entſchieden und doch ſo ruhig, daß er in ſeinen Vermuthungen irre wurde.
„Aber ich ſelbſt ſah ihn dieſes Haus verlaſſen“, erwiderte er.
„Mag ſein, in dem Hauſe wohnen viele Leute.“
„So wißt Ihr—“
„Ich weiß nichts, ich kümmere mich um den Schurken nicht.“
„Bah, Ihr hofft noch immer, das geraubte Gut zurück zu erhal⸗ ten“, ſagte der Marquis, der die Alte unverweilt beobachtete.„Ihr laßt ihn nicht aus dem Auge und lauert nur auf eine günſtige Ge⸗ legenheit, ihm Euren Schatz zu entreißen. Oder ſolltet Ihr ſchon Erſatz gefunden und darüber den Verluſt vergeſſen haben?“
Madame Leroi warf trotzig das Haupt zurück.
„Erſatz?“ fuhr ſie auf.„Sie wiſſen nicht, wie viel er mir ge⸗ ſtohlen hat, und wenn er nur meinen Kater mir geraubt hätte, dieſen Verluſt könnte er mir nicht erſetzen.“
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