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Frau See⸗
Gatten verrathen und Ihren ganzen Einfluß aufgeboten, um das Kriegsgericht zu einem Todesurtheil zu bewegen, Sie haben die Ver⸗ brecher in meine Wohnung geſchickt, um mich an den Bettelſtab zu bringen und mich zu zwingen, bei Ihnen Schutz und Hülfe zu ſuche 1 Sie hören, daß ich Alles weiß, und nun, mein Herr, bitte ich Sie, mich zu verlaſſen.“
„So verurtheilen Sie mich, ohne meine Rechtfertigung gehört zu haben?“ erwiderte der Marquis, deſſen Stirne ſich in Falten gezogen hatte.„Das iſt ungerecht.“
„Nicht doch, ich finde die Rechtfertigung nutzlos und überflüſſig. Und was könnte Sie bezwecken wollen? Nichts weiter, als das Be⸗ ſtreben, mich Ihrem Anerbieten geneigt zu machen, einem Anerbieten, welches mich empört und tief beleidigt. Ich verlange keine Hülfe von Ihnen, ich werde ſie nicht annehmen.“
„Das iſt Selbſtmord“, ſagte Frau Bouhon warnend.„Dieſer Herr kann und wird Sie nicht zwingen, den Weg der Schande zu betreten, wenn Sie ſtandhaft bleiben, er muß die Tugend achten, nehmen Sie die Hülfe an, die er Ihnen bietet, er wird dafür nichts weiter fordern, als—“
„Als Freundſchaft“, ſiel der Marquis ihr in's Wort.„Ich biete Ihnen ein Aſyl an in meinem Hauſe und ſtelle Ihnen frei, dieſes Haus wieder zu verlaſſen, ſobald es Ihnen gefällt. Denken Sie denn gar nicht an die Gefahren, welche Sie bedrohen, Madame? Unſere Armeen ſind geſchlagen, der heutige Ausfall iſt nichts weiter, als der letzte Kampf der Verzweiflung, heute ſchon können die Preu⸗ ßen einmarſchiren und die Geſchichte lehrt, daß der Sieger eine er⸗ oberte Stadt ſchonungslos behandelt.“
„Glauben Sie, damit mich ſchrecken zu können?“ fragte Frau von Briſſac achſelzuckend.„Ich fürchte nichts mehr, wenn eine rohe Sol⸗ dateska mich bedroht, werde ich zu ſterben wiſſen. Aber ich empfehle Ihnen dieſe Unglücklichen, ſie haben nichts mehr, Froſt und Hunger tödten ſie, nur raſche Hülfe kann ſie retten. Was wir beſaßen, iſt verkauft, die beſten Möbel ſind zerſchlagen und verbrannt, keine Brod⸗ rinde iſt da, um den Hunger der Kleinen zu ſtillen. Die unglück⸗ liche Mutter hat auf den Straßen gebettelt, ſo lange ihre Kräfte ihr den Ausgang ermoglichten, ſie hat gedarbt, um das Leben ihrer Kin⸗ der zu retten, es iſt entſetzlich für eine Mutter, ihre Kinder eines ſo elenden Todes ſterben zu ſehen.“
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