Teil eines Werkes 
3. Band (1872)
Entstehung
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Dann aber wollte er über ſie triumphiren und ſie an jene Worte erinnern.

Er ließ ſie beohachten, er wußte, daß ſie ſich um die Befreiung ihres Gatten erfolglos bemüht hatte, daß ſie in dem Vertrauen auf ihre Freundinnen getäuſcht worden war, und daß ſie von den Almoſen eines Verwandten kümmerlich ihr Leben friſtete.

Er wußte das Alles, aber er hielt es noch nicht rathſam, ſich ihr zu nähern, er wollte warten, bis Hunger, Schrecken und Noth noch ſtärker an ihren tugendhaften Grundſätzen gerüttelt hatten.

So kam der Morgen des 19. Januar, des Tages, an welchem die Pariſer den letzten Stoß auf die deutſchen Linien miachen wollten.

Der Marquis hatte nach dem Frühſtück eine halbe Stunde mit Cora geplaudert, er wollte jetzt ausgehen, um draußen die Nachrichten vom Kampfplatze zu erwarten, obgleich er voraus wußte, wie ſie lauten würden.

Mehr, als jeder Andere, war er vom Stand der Dinge unter⸗ richtet, er wußte durch ſeine vortrefflich organiſirte Taubenpoſt ſehr genau, wie es in den Provinzen ausſah, und daß es keine Hoffnung mehr für die belagerte Stadt gab.

Im Begriff, ſein Kabinet zu verlaſſen, rief Cora ihn noch ein⸗ mal zurück.

„Du ſprachſt vor einiger Zeit von einem Ringe, den mein Bru⸗ der Dir verkaufen ſollte“, ſagte ſie,„haſt Du ihn erhalten?“

„Nein“, erwiderte der Marquis,„Dorman hat ſein Verſprechen nicht eingelöſt, aber das ließ ſich ja auch erwarten.“ 3

„Er ſchickte mir geſtern einen Ring mit dieſen Zeilen“, fuhr Cora fort, indem ſie ein Billet aus der Taſche zog und es dem Edelmann überreichte,„Du erſiehſt daraus, daß er mir den Ring ſchenkt, und ich geſtehe aufrichtig, daß ich dieſe ſeltene Großmuth nicht begreife. Er iſt habgierig und geizig, es müſſen beſondere Gründe obwalten, die ihn zu dieſer Freigebigkeit bewegen.“

„Und wo iſt der Ring?“

„Hier, Henry, ich kann nicht finden, daß er ſehr werthvoll iſt.“

Der Marquis hatte kaum einen Blick auf den Goldreif geworfen, als er haſtig darnach griff, aber eben ſo ſchnell zog Cora ihre Hand zurück.

„So hahen wir nicht gewettet“, lachte ſie.„Iſt es wirklich Dein Ring?“