—
———
—
— 765—
„Ja.“ 3
„Wohlan, ich feilſche und geize nicht, ich bin bereit, Ihnen die Summe zu zahlen.“
„Die Hälfte vorab!“
„Einverſtanden, Sie werden das Geld heute noch erhalten.“
„Und vielleicht iſt Bertrand morgen ſchon eine Leiche“, erwiderte die Alte, das fahle Geſicht zu einem widerlichen Grinſen verzerrend.
„Mit Sicherheit kann ich das allerdings nicht verſprechen, denn die Sache muß ohne Aufſehen betrieben werden, zudem fragt es ſich auch, ob ich ſo raſch ein williges Werkzeug finde. Aber es ſoll ge⸗ ſchehen ſo raſch wie möglich, und was ich übernehme, das führe ich auch aus.
Der Marquis hatte ſich erhoben.
„Seltſam, daß wir uns in ſolchen Angelegenheiten immer ſo raſch einigen“, ſagte er,„weshalb können wir nicht auch über den Preis des Ringes uns verſtändigen?“
„Weil Sie meine Forderung nicht bewilligen wollen!“
„Bah, für Sie hat dieſer Ring keinen Werth—“
„Einen um ſo größeren Werth hat er für Sie, Herr Marquis. Aber ich dränge Sie nicht, Sie müſſen wiſſen, ob Sie das intereſſante Geheimniß erfahren wollen, ob das Geld größeren Werth für Sie hat, als—“
„Genug!“ fiel der Edelmann ihr in's Wort.„Ich beiße an den Köder nicht an und will in Geduld warten, bis die unbeſcheidenen Anforderungen einer vernünftigen Anſchauung Raum gegeben haben. Wenn dieſer Fall eingetreten iſt, ſprechen wir weiter darüber.“
„Er wird nie eintreten!“
„Wir werden ſehen.“
Das alte Weib lachte höhniſch, ſie kniete auf dem Fußboden und hob das Brett auf, unter welchem ihre Lebensmittel lagen.
„Glauben Sie es nun?“ fragte ſie, auf ihren Vorrath zeigend. „Ich habe mich für alle Fälle geſichert, ich kann's aushalten, wenn auch die Belagerung noch ein halbes Jahr dauert. Und wenn ich nichts mehr habe, ſo werde ich mich mit der täglichen Brodration be⸗ gnügen, die man mir geben muß.“
Der Marquis warf nur einen oberflächlichen Blick auf die Lebens⸗ mittel, die er hier zu finden doch nicht erwartet hatte.
„Wir werden ſehen“, wiederholte er ruhiz.


