Teil eines Werkes 
3. Band (1872)
Entstehung
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Madame Leroi empfing den Edelmann mit einem höhniſchen Gruß. Der Marquis gab ſich den Anſchein, als bemerke er es nicht, er nahm auf dem Stuhle Platz, der dem Seſſel der Alten ſtets gegen⸗ über ſtand.

Daß Sie wieder kommen würden, wußte ich, ſagte ſie,aber es hat doch länger gedauert, als ich erwartete.

Das mag Ihnen beweiſen, daß ich Sie entbehren kann, erwi⸗ derte der Marquis kalt.Und je länger ich warte, deſto billiger wird der Ring, den Sie beſitzen.

Glauben Sie das noch immer?

Ja, Madame!

Sie rechnen darauf, daß der Hunger mich zahm machen werde, aber ich ſagte Ihnen ſchon, daß Sie darin ſich getäuſcht ſehen wür⸗ den. Ich habe bis heute noch keinen Mangel gelitten, mein Herr, und der Ring iſt mir mit jedem Tage theurer geworden.

Der Rabe, der auf der Schulter des Weibes hockte, ſchlug kräch⸗ zend mit den Flügeln.

Sie haben allerdings noch den feiſten Kater und dieſe zähe Beſtie, erwiderte der Marquis ſpottend, mit einem Blick auf den ſchwarzen Vogel.Aber das reicht nur für wenige Tage aus

He, was wollen Sie? fiel die Alte ihm in's Wort.Heute oder morgen werden die Thore wieder offen ſein, man iſt ja eben draußen beſchäftigt, die Preußen zu maſſacriren.

und man wird heute Abend erfahren, daß die Siege der Loire⸗ Armee nur blinder Lärm waren.

Bah, Sie wollen an dieſe Siege nicht glauben, weil ſie Ihre Pläne über den Haufen werfen.

Hundert Sous für die arme Frau! ſchrie der Rabe.Wir find arm, arme Leute!

Ich werde mich länger gedulden, ſagte der Marquis.Vielleicht kommen Sie ſchon in den erſten Tagen zur Einſicht. Der Ring, der uns umſchließt, kann nicht durchbrochen werden, wir haben dafür

keine Generale, keine Soldaten, wir werden hungern, bis wir ſo ſchwach und ohnmächtig geworden ſind, daß der Feind keinen Wider⸗ ſtand mehr findet.

Madame Leroi kicherte höhniſch.

Und wenn das Elend noch ein halbes Jahr dauert, ich habe mich vorgeſehen und kann es mit Ruhe abwarten, erwiderte ſie.Für