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„Nein, ich konnte es nicht, um ſo unangenehmer war mir der Eigenſinn des Freundes, der trotzig bei der einmal gefaßten Anſicht beharrte. Nun wird er einſehen müſſen, daß ſeine Zweifel und Ver⸗ muthungen unbegründet waren.— Aber iſt das nicht Generalmarſch?“¹
Der Marquis erhob das Haupt und blickte horchend in die Ferne hinaus.
„Ich höre nur das Donnern der Geſchütze“, ſagte er.
„Es iſt Generalmarſch, die Pflicht ruft mich.“
„Zu den Waffen! Nieder mit den Preußen!“ riefen mehrere Weiber, die an den Beiden vorbeieilten.
Erneſt rief die Frauen an, ſie erwiderten auf ſeine Frage, der Generalmarſch werde in allen Quartieren geſchlagen, die National⸗ garde ſolle gegen den Feind geführt werden, deſſen Reihen ſchon durchbrochen ſeien.
„Beeilt Euch“, riefen ſie dem jungen Manne zu,„der glorreiche Tag der Rache iſt gekommen, Frankreich wird die Preußen vernichten, nicht ein einziger dieſer Barbaren darf ſeine Heimath wiederſehen!“
„Fahren Sie mit mir zurück“, ſagte der Marquis,„Sie können auf dem Boulevard von La Vilette ausſteigen.“
„Ich kenne einen kürzeren Weg“, erwiderte Erneſt haſtig,„leben Sie wohl, Herr Marquis, vielleicht auf Nimmerwiederſehen!“
Der Marquis ſah dem jungen Manne nach, bis er ſeinem Blick entſchwunden war, er hörte jetzt auch das Raſſeln der Trommeln und den ſchrillen Klang der Signalhörner.
Sein Geſicht hatte einen ernſten, finſteren Ausdruck angenommen, ein glühender Haß ſpiegelte ſich in ſeinen Zügen.
Er ſtieg ein und befahl dem Kutſcher, auf dem Boulevard von La Vilette zu halten.
Freicorps und Bataillone der Nationalgarde marſchirten ſingend und lärmend vorbei, während der Wagen langſam durch die Men⸗ ſchenmenge fuhr, Geſchütze raſſelten über das Pflaſter, Weiber und Gamins, mit den ſeltſamſten Mordwerkzeugen bewaffnet, folgten in großen Schwärmen den Bataillonen, und oft wandte der Marquis mit unverkennbaren Zeichen des Abſcheues und der Verachtung den Blick von dieſen Haufen ab, die in der That nur einen Ekel erre⸗ genden Eindruck machen konnten.
Er ſtieg aus und ging in die Rue Vincent, ſein Weg galt der Wahrſagerin, in deren Manſarde er bald darauf trat.


