Teil eines Werkes 
3. Band (1872)
Entstehung
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Endlich war der Pore Lachaiſe erreicht, der Marquis hatte ſchon

für Alles Sorge getragen.

Das Grab war ausgeworfen, die Todtengräber ſtanden bereit, den Sarg in Empfang zu nehmen.

Von langen und feierlichen Ceremonieen war nicht mehr die Rede, man konnte ſich damit nicht aufhalten, die Zahl der Särge, die täg⸗ lich gebracht wurden, war zu hoch angewachſen.

Der Sarg wurde hinuntergelaſſen, Erneſt betete am offenen Grabe, dann warf er einige Schaufeln voll Erde hinunter.

Bis zu dieſem Augenblicke hatte der Marquis in düſterm Schwei⸗ gen verharrt, jetzt ergriff er die Hand des jungen Mannes.

Es iſt vollbracht, ſagte er leiſe,uns bleibt nur noch ein Troſt, der Gedanke an ein einſtiges Wiederſehen. Wir werden der Todten ein treues Andenken bewahren, aber nun fordert das Leben wieder ſeine Rechte. Seien Sie überzeugt, Lafleur, daß ich Ihr Freund dleiben und in allen Dingen mit Rath und That Ihnen zur Seite ſtehen werde, vorausgeſetzt, daß meine Freundſchaft Werth für Sie hat.

Können Sie daran zweifeln? fragte Erneſt mit mühſam er⸗ zwungener Ruhe.

Jetzt nicht mehr, aber ich habe oft daran gezweifelt, wenn Sie weinem Vertrauen mit Mißtrauen begegneten.

Es war nicht meine Schuld. Paul wollte in Allem, was Sie thaten, Betrug entdecken und manchmal konnte ich mich nicht ganz der Wahrſcheinlichkeit ſeiner Gründe und Anſichten verſchließen.

Der Marquis hatte die Stirne leicht gerunzelt, ſie ſtanden Beide vor dem Wagen, der ſie zurückbringen ſollte.

Sie dürfen nicht auf ſolche Einflüſterungen hören, ſagte er, wenn Sie nicht im eigenen Herzen den Dämon wecken wollen.

Sie haben Recht, erwiderte Erneſt, man ſoll es nicht thun, aber wenn man ſelbſt z iſchen Hoffen und Fürchten ſchwankt, dann finden Zweifel ſtets einen fruchtbaren Boden. So war es ja auch während der Krankheit Mariens. Paul wollte mir ſtets die Ueber⸗ zeugung einflößen, daß das Alles nur eine Komödie ſei

Und Sie glaubten es? fragte der Marquis mit ſcharfer Be⸗ tonung.

Nein.

Ah, Sie konnten das auch nicht, mein Schuterz mußte Sie ja eines Beſſeren belehren.