Teil eines Werkes 
3. Band (1872)
Entstehung
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nie wieder angeknüpft werden, ich bedaure ſie jetzt, wäre ſie meine Gattin, würde ich ſie verachten.

Und doch baut Jenny Mouſſon ihre letzten Hoffnungen noch immer auf Sie.

Sie wird ſich getäuſcht ſinden, es iſt ihre eigene Schuld, denn ſie weiß nur zu gut, daß eine unüberſteigbare Kluft zwiſchen ihr und mir liegt, ich ſelbſt habe es ihr geſagt.

Vielleicht täuſchen Sie ſich ſelbſt, erwiderte der Marquis,die erſte Jugendliebe kann man nie vergeſſen, es kommt immer wieder eine Zeit, in der die alten Erinnerungen erwachen und die vergange⸗ nen Stunden uns die ſchönſten ſcheinen. Und wenn Sie an der Seite Jenny's das Glück finden können, welches Sie jetzt für immer verloren zu haben glauben, weshalb wollen Sie es nicht ergreifen und feſthalten? Man muß Vergangenes vergeſſen können, wenn die Erinnerungen daran dem Glück in den Weg treten, man muß ergrei⸗ fen, was der Augenblick bietet.

Erneſt vermochte darauf keine Erwiderung zu geben, denn eben meldete der Diener, daß die Wagen eingetroffen ſeien.

Kommen Sien, ſagte der Marquis, indem er ſeinen Arm in den des jungen Mannes ſchob,wir müſſen einen ſchweren Garg machen, aber auch das ſoll der Mann überwinden.

Der Sarg wurde in den Leichenwagen geſchoben, die Beiden ſtiegen in die Equipage, welche hinter dem letzteren hielt.

Der Marquis verſuchte während der Fahrt mehrmals, eine Un⸗ terhaltung anzuknüpfen, aber dieſe Verſuche ſcheiterten an der Schweigſamkeit Erneſt's.

Es war eine ziemlich lange Fahrt, und dem Blick bot ſich in den belebten Straßen mancher intereſſante Anziehungspunkt, aber Erneſt achtete nicht darauf, das Haupt auf der Arm geſtützt, ſaß er in dumpfem Brüten verſunken, er ſah nicht einmal, daß der Edelmann ihn unverwandt und ſcharf beobachtete.

Vielleicht wäre das Mißtrauen in ſeinem Herzen erwacht, viel⸗ leicht wären die Gluthen der Leidenſchaften wild in ihm aufgelodert⸗ wenn er den halb ſpöttiſchen, halb triumphirenden Zug bemerkt hätte, der von Zeit zu Zeit die Lippen des Marquis umzuckte.

Aber er ſah und hörte nichts, ſein ganzes Denken beſchäftigte ſich einzig und allein mit dem ſchönen Bilde der Geliebten, mit dem einſt erträumten Glück, welches er nun auf immer verlosen hatte.