Teil eines Werkes 
3. Band (1872)
Entstehung
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Fürchten Sie die Anſteckung nicht? fragte der Marquis.

Sie wäre mir willkommen.

Schon wieder dieſer frevelhaſte Gedanke! Der Arzt hat be⸗ fohlen, daß das Begräbniß ſofort erfolgen ſolle

Wie kann er es befe hlen?

Er hat triftige Gründe dafür, mein Freund, auch das Geſetz verlangt die unverzügliche Beerdigung, wenn der Tod die Folge einer epidemiſchen Krankheit war.

Und wann ſoll die Beerdigung ſtattfinden?

In einer Stunde.

So werde ich bleiben und die Leiche begleiten.

Es wird ein ſehr einfaches Begräbniß ſein, wie es dem Ernſt

der Zeit geziemt. Wir beide ſind die einzigen Begleiter.

Was liegt daran? fragte Erneſt.Marie hat nie den Prunk geliebt, ſie würde ſelbſt dieſes einfache Begräbniß gewünſcht haben. Aber meine Bitte müſſen Sie erfüllen

Sie haben ein Recht, dieſe Bitte an mich zu richten. Die Leiche liegt freilich ſcon im Sarge

So öffnen wir ihn.

Das iſt nicht nöthig. Folgen Sie mir.

Der Marquis ſchritt hinaus, Erneſt folgte ihm mit ſchwankenden Schritten.

Er war noch immer betäubt, er konnte noch immer nicht die ganze Größe ſeines Verluſtes faſſen, es war ihm überhaupt unmöglich, über den Schickſalsſchlag, der ihn ſo ſchwer getroffen hatte, nachzudenken.

Es war ihm, als ob das Alles nur ein wüſter Traum ſei, aus dem er bald erwachen müſſe, an die Wirklichkeit konnte und wollte er nicht glauben. Der Marquis köffnete eine Thüre, Erneſt trat in ein kleines Gemach. Da ſtand der ſchlichte, ſchmuckloſe Sarg, um⸗ ringt von brennenden Wachskerzen und geſchmückt mit einem Lorbeer⸗ kranze, er barg das ganze Erdenglück ſeines Lebens.

Erneſt kniete nieder und verrichtete ein Gebet, der Marquis trat neben den Sarg und zog den Schieber im Deckel zurück.

Ja, das war ihr liebliches Geſicht, ihre hohe weiße Stirn, ihr ſchönes, blondes Haar! ae Wie bleich und ſtarr die ſchönen Züge waren!

Erneſt blickte lange hinunter, dann trat er tief aufſeufzend zurück. Sie hätten nicht darauf beſtehen ſollen, ſagte der Marquis, in⸗ R. 48