Teil eines Werkes 
3. Band (1872)
Entstehung
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Ihnen gegolten habe und daß ſie mit einem Segenswunſch für Sie auf den Lippen geſtorben ſei.

Erſchüttert war Erneſt auf einen Seſſel niedergeſunken, der ſtarke Mann fühlte ſich einer Ohnmacht nahe.

Und dennoch erinnerte er ſich in dieſer Betäubung der Warnung ſeines Freundes, ſie durchzuckte mit der Schnelligkeit eines Blitzſtrahls ſeine Seele.

Aber nein, das konnte keine Maske, keine Komödie ſein, in dem Antlitz des Marquis prägte ſich der Schmerz zu deutlich aus.

Und dann war es zu Ende, fuhr der Edelmann leiſe fopt,ſie erloſch wie ein Licht ohne Todeskampf.

Erneſt ſchwieg, es war ihm, als habe Jemand aus weiter Ferne dieſe Worte zu ihm geſprochen.

Wir haben Beide unſäglich viel verloren, mein junger Freund, und vielleicht iſt es gut, daß die bewegten Zeiten uns die ganze Größe unſeres Verluſtes nicht fühlen laſſen. Wir werden raſcher vergeſſen

Und raſcher mit ihr vereinigt ſein, ſagte Erneſt, das Haupt erhebend.

So dürfen Sie nicht denken, mein Freund. Der Mann muß Alles ertragen können, er muß dem Schickſal eine eiſerne Stirn bie⸗ ten, er darf nicht muthlos zuſammenbrechen unter den Schlägen des Geſchickes.

Aber ich kann nicht leben ohne Marie.

Das iſt unmännlich, ſagte der Marquis ernſt und mißbilligend. Was würden Sie gethan haben, wenn die Wahl der jungen Dame auf mich gefallen wäre?

Ich würde den Tod geſucht und gewiß auch gefunden haben.

Und damals ſagten Sie mir, Sie könnten entſagen, Sie fühlten die Kraft in ſich.

Ja, damals hatte ich mich mit dem Gedanken an dieſen Verluſt noch nicht vertraut gemacht.

Und nun er Sie betroffen hat, müſſen Sie ihn mit dem Muth des Mannes tragen.

Gut, ich will es verſuchen, erwiderte Erneſt, der den Sturm in ſeinem Innern vergeblich zu beſchwören ſuchte, ich will meine ganze Kraft aufbieten, aber ob es mir gelingen wird, weiß ich jetzt noch nicht. Mir bleibt jetzt nur noch übrig, Ihnen für die liebevolle Pflege der Heimgegangenen zu danken und Sie zu bitten, mich zur Leiche zu führen.