b
— 751—
zeihen Sie mir, wenn ich Sie daran erinnere, ich kann nicht lange hier bleiben, es läßt ſich ja erwarten, daß der Generalmarſch uns zu den Waffen rufen wird.“
Wie vom Blitz getroffen war der Edelmann ſtehen geblieben, er ſchlug ſich mit der Hand vor die Stirn und blickte den jungen WMau ſtarr an.
„Daß ich das vergeſſen konnte!“ ſagte er in einem Tone, der auf Erneſt einen furchtbaren Eindruck machte.„Aber die Erbitterung über dieſe neue Thorheit der Regierung, die Aufregung—— ah, mein Freund, faſſen Sie ſich, bieten Sie Ihren ganzen Muth auf, eine ſchlimme Nachricht erwartet Sie.“
„Fräulein Marie iſt todt!“ ſagte Erneſt mit bebender Stimme. „Ich leſe es in Ihrer Miene—“
„Wir ſind beide zu beklagen, mein lieber, guter Freund“, unter⸗ brach der Marquis ihn, indem er ihm beide Hände reichte.„Wir müſſen denken, Gott habe es ſo gewollt, und es ſei zum Beſten des Mädchens geweſen.“
Das Haupt auf die Bruſt geſenkt, ſtand Erneſt vor dem Edel⸗ manne, Thränen floſſen ihm über die bleichen Wangen.
„Ich war darauf gefaßt“, ſagte er dumpf.„Der Arzt hatte ja keine Hoffnung—“
„Aber ich hatte noch Hoffnung, und ich hielt an ihr feſt bis zum letzten Augenblick.“
„Wann ſtarb ſie?“
„In der vergangenen Nacht. Ich ſaß an ihrem Bette, ſie duldete ſchweigend, keine Klage kam über ihre Lippen. Der Arzt hatte mir ſchon vor einigen Tagen geſagt, ihre Krankheit ſei der Typhus, und er glaube nicht, daß er ſie durchbringen werde, aber ich mochte Ihnen das nicht mittheilen, um Sie nicht zu ſehr zu ängſtigen.“
„Es würde meine Angſt nicht vermehrt haben.“
„Doch, doch, mein Freund, Sie hatten ja ohnedies ſchon die Hoff⸗ nung verloren! Wie geſagt, ich glaubte nicht an die Nähe des Todes, ich beobachtete ihren Schlummer und verſprach mir von ihm die beſte Wirkung. Mitternacht war vorbei, ich wollte mich eben durch die Wärterin ablöſen laſſen, als Marie die Augen öffnete. Sie ſah ſich erſtaunt um, dann reichte ſie mir lächelnd die Hand. O, ich werde dieſes Lächeln, dieſen Blick nie vergeſſen! Sie flüſterte mir mit bre⸗ chender Stimme zu, ich möchte Ihnen ſagen, daß ihr letzter Gedanke


