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An allen Ecken waren Proclamationen angeſchlagen, überall hörte man den Ruf:„Es lebe Ducrot!“—„Es lebe die Armeel“
Die Freunde traten hinzu, Erneſt las ſeinem Freunde die Pro⸗ elamation vor.
General Ducrot verkündete darin, der Augenblick, den eiſernen Gürtel zu durchbrechen und der Loire⸗Armee die Hand zu reichen, ſei nun gekommen. Er werde mit einer Armee von hundertundfünfzig Tauſend Mann und vierhundert Kanonen den Durchbruch erzwingen, und er ſchwöre, entweder als Sieger oder als Leiche nach Paris zu⸗ rückzukehren.
Die Armee ſei vortrefflich bewaffnet und mit Vorräthen hin⸗ reichend verſehen, der Sieg müſſe ſich an ihre Fahnen heften.
„Phraſe!“ ſagte Erneſt achſelzuckend.„Ich glaube nicht eher, bis ich Thaten geſehen habe.“
„Still!“ flüſterte Paul.„Das waren unbedachte Worte.“
Er zog ihn mit ſich fort, drohende Blicke folgten den Beiden.
„Unſer Widerſtand iſt Thorheit, und unſer Kämpfen ein Frevel, denn wir opfern nutzlos zahlloſe Menſchenleben“, ſagte Erneſt, als ſie ſich aus dem Gedränge entfernt hatten.„Und dieſer General Ducrot wird mit heiler Haut zurückkehren, er denkt auch, wie Napoleon bei Sedan, das Leben ſei das Koſtbarſte, was man verlieren könne. Dann wird dieſes ganze Geſindel, welches ihn heute in den Himmel erhebt, über ihn herfallen und ihn Verräther nennen.— Wir müſſen ſcheiden, Paul wer weiß, ob nicht in der nächſten Stunde ſchon Generalmarſch geſchlagen wird, ich muß die Augenblicke be⸗ nutzen.“
Er drückte dem Freunde die Hand und ſchritt raſch von dannen, eine fieberhafte Unruhe, die er nicht bewältigen konnte, trieb ihn zum Hauſe des Marquis.
Große Truppenmaſſen begegneten ihm, Geſchütz und Proviant⸗ kolonnen, Ambulancewagen und Munitionskarren fuhren vorbei, es hatte ganz den Anſchein, als ob eine große Schlacht geliefert werden ſolle.
Alles war begeiſtert, von dieſem Ausfall erwartete man mit Sicherheit das Ende der Belagerung.
Man ſagte ſich, Ducrot werde dieſe zuverſichtliche Sprache nicht führen, wenn er nicht des Erfolges gewiß ſei, man traf ſchon jetzt Vorbereitungen zum Empfang der Sieger.


