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„Man muß eine günſtige Gelegenheit zu benutzen wiſſen, Heury“, ſagte ſie,„Jeder iſt ſich ſelbſt der Nächſte. Und wenn man ſolche Geheimniſſe zu bewahren wünſcht, läßt man nicht alle Thüren offen. Im Grunde genommen, kann es Dir nur angenehm ſein, daß ich einer Situation ein Ende machte, die für Dich beſchämend war.“
„Laſſen wir das, über dieſen Punkt können wir nicht ſtreiten, Cora, denn Du haſt das Weſen einer wahren Liebe niemals gekannt.“
„Wie ſentimental!“
„Spotte darüber nicht, der Spott würde mich verletzen.“
„Gut, reden wir ernſt über dieſe Angelegenheit“, erwiderte Ma⸗ dame von Chateaufleur.„Du haſt um die Hand einer früheren Gouvernante geworben und Deine Werbung iſt zurückgewieſen wor⸗ den, weil Marie Deinem Nebenbuhler den Vorzug gibt. Ich hätte ein Recht, eiferſüchtig zu werden, Dir Treuloſigkeit und Meineid vor⸗ zuwerfen, aber wozu das? Nehmen wir die Dinge, wie ſie ſind und fügen wir uns den Verhältniſſen.“
„Das wird das Beſte ſein, Cora. Ueber Deine Eiferſucht würde ich lachen, und Dein Haß wäre ohnmächtig. Was ſagte Marie, nachdem ich das Gemach verlaſſen hatte?“
„Nicht viel, Henry, ſie kam mir mit Mißtrauen entgegen, aber ich wußte ja, wie man ſie behandeln muß. Ich bat ſie um Ver⸗ zeihung wegen des Unrechts, welches ihr in unſerm Hauſe angethan wurde, ich ſchob die ganze Schuld auf den Vicomte und ſagte ihr, daß ich ihn verlaſſen habe, weil ſeine Tyrannei mir unerträglich ge⸗ weſen ſei. Sie glaubte mir, ich hätte gewünſcht, daß ſie in Klagen über Dich ausgebrochen wäre, aber ſie that es nicht, ſie ſagte mir nur, es ſei ihr unmöglich, Deinen Wunſch zu erfüllen.“
„Und weißt Du, wer mein Nebenbuhler iſt?“
„Natürlich. Ich wußte es ſchon damals, als Marie ſich in St. Lazare befand. Ein Arbeiter von Belleville.“
„Kannſt Du glauben, daß ich ihm weichen werde*“
„Du wäreſt kein Mann, wenn Du es thäteſt!“
„Er war hier, heute ſollte Marie wählen zwiſchen ihm und mir, er lam, die Entſcheidung zu holen.“
„Und was ſagteſt Du ihm?“
„Marie ſei gefährlich erkrankt.“¹
„Glaubte er es?“
„Er äußerte nicht den leiſeſten Zweifel.“


