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ihrer Liſt und Schlauheit iſt ein ehrlicher Charakter nicht gewachſen. Empfängt die Wahrſagerin noch viele Beſuche?“
„Mehr denn je. Elegante Damen und junge Herren geben ſich bei ihr ein Rendezvous, Vagabunden und alte Hexen beſuchen ſie, aber da der Zweck dieſer Beſuche mich nicht intereſſirt, gebe ich mir auch nicht die Mühe, ihn zu erforſchen.“
Bei den letzten Worten hatte Erneſt ſich von ſeinem Sitze erhoben, um Abſchied zu nehmen, und der Edelmann hielt ihn nicht zurück.
„Ich würde Sie gern zum Diner einladen“, ſagte der Marquis, indem er ihm die Hand reichte,„aber Sie werden begreifen, daß ich nicht dazu in der Stimmung ſein kann. So lange Fräulein Marie krank iſt, ſoll in dieſem Hauſe die tiefſte Ruhe herrſchen, ſpäter werden wir das Verſäumte nachholen und hoffentlich das frohe Feſt der Ge⸗ neſung feiern.“
Erneſt nickte zuſtimmend, es erwachte noch immer kein Mißtrauen in ſeiner Seele.
„Ich werde von Ihrer freundlichen Erlaubniß Gebrauch machen und mich täglich nach dem Befinden der jungen Dame erkundigen“, erwiderte er.
„Sie werden mich zu jeder Stunde bereit finden, Ihnen Antwort zu geben, mein junger Freund, ich hoffe, ſchon bald Ihnen erfreuliche Mittheilungen machen zu können.“
Der Marquis athmete auf, als ſein Nebenbuhler ſich entfernt hatte, das freundliche Lächeln verſchwand von ſeinen Lippen, ein düſterer Ernſt breitete ſich über ſeine Züge.
Ddie Arme auf der Bruſt verſchränkt, wanderte er eine geraume Weile auf und nieder, dann öffnete er die geheime Thüre, und gleich darauf erklang der ſilberhelle Ton eines Glöckchens.
Einige Minuten verſtrichen, dann trat Cora durch die geheime Thüre in's Kabinet.
Der Marquis ſtand ihr gegenüber, ſein Blick ruhte durchdringend auf ihrem leicht gerötheten Antlitz.
„Ich wäre berechtigt, Dir bittere Vorwürfe zu machen“, ſagte er, „Du haſt eigenmächtig Dich in Geheimniſſe eingedrängt, die Du ohne meine Erlaubniß nicht erforſchen durfteſt.“
Die ſchöne Frau zuckte die Achſeln und warf ſich lachend in einen Seſſel, ihre blitzenden Augen hefteten ſich feſt auf den Edelmann, der ihr gegenüber Platz nahm.
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