Krieges herbeiwünſcht. Ich weiß wirklich nicht, ob ich den nicht glück⸗ lich preiſen ſoll, der das Ende dieſer Belagerung nicht erlebt.“
Erneſt ließ das Haupt auf die Bruſt ſinken, die entſetzlichen Bil⸗ der, welche der Marquis ihm zeigte, ſchmetterten ihn nieder.
„Aber weshalb ſollen wir gleich an das Furchtbarſte denken, wes⸗ halb das Geſpenſt des Todes herauſbeſchwören?“ nahm der Edelmann wieder das Wort.„Hoffen wir, daß dieſe Krankheit vorübergehen und Fräulein Marie geneſen wird, wir haben ja gegenwärtig noch keine Veranlaſſung, dieſer Hoffnung ganz zu entſagen.“
Erneſt ſtrich mit der Hand über Stirne und Augen, ein ſchwerer Seufzer entrang ſich ſeinen Lippen.
„Wenn es hier einen Troſt für mich gibt, ſo iſt es die Gewiß⸗ heit, daß Fräulein Reimann die ſorgfältigſte Pflege hier findet“, ſagte er.„Aber auch ſie kann ihr das Leben nicht retten, wenn ſie den Todeskeim im Herzen trägt. Wie iſt das nur ſo raſch gekommen? Ich hatte mich ſo ſehr auf dieſe Stunde gefreut, auf das ſo lange herbeigeſehnte Wiederſehen, und ach, wie unſäglich glücklich wäre ich geweſen, wenn ihre Wahl auf mich gefallen wäre!“
„Wie aber, wenn Sie mir hätten weichen müſſen?“ fragte der Marquis ruhig.
„Ich war auch darauf vorbereitet, ich hätte entſagen können, ſo ſchwer es mir auch geworden wäre. Wenn ſie nur glücklich wird, für ſie will ich gern auf mein eignes Glück verzichten.“
„Nun, dieſe Nothwendigkeit iſt Ihnen noch nicht nahe getreten, mein junger Freund“, ſagte der Marquis mit herzgewinnender Freund⸗ lichkeit,„wir wiſſen beide nicht, wie die Entſcheidung ausfallen wird. Wo ſind Ihre Freunde?“
Erneſt blickte auf, dieſe Frase lenkte ſeine Gedanken den beäng⸗ ſtigenden Bildern ab, mit denen ſie ſich beſchäftigt hatten.
„Paul iſt daheim“, erwiderte er,„heute durſte er mich nicht be⸗ gleiten.“
„Er iſt ſehr mißtrauiſch.“
„Er war es, ſo lange das Unglück ihn verfolgte. Aber ſeikdem er ſeine Braut wiedergefunden hat und mit ihr vereint iſt, kaun ich nicht mehr über ihn klagen.“
Der Edelmann wiegte leicht das Haupt.
„Es wäre zu wünſchen, daß er die böſen Leidenſchaften zügelte“, ſagte er.„Paul Bertrand iſt auch einer von deuen, die mit dem


