Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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Freilich, der Tag, an welchem Fräulein Reimann ihre Enlſchei⸗ dung treffen ſollte.

Wohlan, gehen wir zu ihr.

Der Marquis ſchüttelte ablehnend das Haupt, eine ernſte Weh⸗ muth breitete ſich über ſein Geſicht.

Fräulein Marie iſt erkrankt, ſagte er mit ſchmerzlicher Beto⸗ nung,Sie begreifen, daß unter ſolchen Umſtänden die Friſt ver⸗ längert werden muß.

Erneſt war bleich geworden, eine unſägliche Angſt ſpiegelte ſich in ſeinem ſtarren Blick, der mit fieberhafter Spannung auf dem Edelmann ruhte.

Vielleicht iſt dieſe Krankheit eine Folge der Gemüthsaufregun⸗ gen, fuhr der Marquis fort,vielleicht auch hat ſie die Miasmen einer epidemiſchen Krankheit eingeathmet, Typhus und Blattern for⸗ dern ja täglich hier ihre Opfer.

Und was ſagt der Arzt? fragte Erneſt tonlos.

Er weiß noch nicht, welchen Namen er der Krankheit geben ſoll, man muß den weiteren Verlauf abwarten. Daß es der jungen Dame an der aufmerkſamſten Pflege nicht fehlt, brauche ich Ihnen wohl nicht zu ſagen, mein lieber Freund, ich habe eine ſehr gute Wärterin engagirt und erhalte ſtündlich Berichte.

Mein Gott, wenn

Ergehen wir uns jetzt nicht in Vermuthungen, die uns nur äng⸗ ſtigen können, wir müſſen Geduld haben, Alles was geſchehen kann, das theure Leben zu retten, geſchieht, das Andere müſſen wir Gott anheim ſtellen.

Und ich kann ſie nicht ſehen? fragte Erneſt mit zitternder Stimme.

Nein, ſie liegt zu Bett, ich ſelbſt habe ſie ſeit einigen Tagen nicht mehr geſehen, jede Aufregung kann ihr den Tod bringen. Wir müſſen uns gedulden, mein Freund, ſobald Fräulein Marie geneſen iſt, werde ich es Ihnen mittheilen, ſie darf dann nicht länger mit ihrer Entſcheidung zögern.

Sie hat meinen Brief erhalten?

Natürlich. 6

Und ſprach ſie nicht mit Ihnen darüber?

Doch, ſagte der Marquis zögernd.Sie äußerte ſich in an⸗ erkennender, lobender Weiſe über Sie, ſie pries Ihre Herzensgüte, ihren vortrefflichen Charakter, Ihren Fleiß und Ihr ernſtes Streben.