größere Truppenmaſſen ſtößt, wird das Blatt ſich wenden und das Blut Tauſender nutzlos vergoſſen.“
„Gewiß nicht, ſo wenig, wie man den verrückten Ideen eines Wahnſinnigen entgegen treten darf“, fuhr Erneſt fort.„Und doch ſollte man es thun, an jeder Straßenecke ſollte eine warnende Stimme ſich erheben und dem unwiſſenden, bethörten Haufen Vernunft predi⸗ gen. Man ſollte die Journale unterdrücken, die täglich zum Wider⸗ ſtand bis auf den letzten Mann hetzen, man ſollte die Regierung zwingen, Frieden zu ſchließen, ehe Frankreich vollſtändig ruinirt iſt.“
„Wollen Sie verſuchen, dieſe Aufgabe zu löſen?“
„Bei Gott, ich wäre ſofort bereit dazu, wenn eine Geſellſchaft von muthigen Männern ſich bildete, die Alle dieſen Zweck zu erreichen ſtrebten. Das Elend hat eine entſetzliche Höhe erreicht, und wer weiß, was noch kommen wird.“
„Ja, wer weiß!“ ſagte der Edelmann gedankenvoll.„Die Re⸗ gierung gibt nicht nach, und wenn ſie es wollte, würde der Pöbel ſie daran verhindern.“
„Der Pöbel!“ entgegnete Erneſt erbittert.„Er ſieht und fühlt das Elend nicht, er empfängt ſeinen Sold und ſeine Nationen, er bereichert ſich durch Plünderung und berauſcht ſich im Blute der Un⸗ glücklichen, die ſeiner blinden Wuth zum Opfer fallen. Aber wie es in den Manſarden ausſieht, darum kümmert er ſich nicht; wenn die Särge vorbeigefahren werden, und ihre große Zahl ihn erſchreckt, flucht er den Preußen, ohne daran zu denken, daß die Hauptſchuld auf ihn fällt.“
Der Marquis nickte, als ob er ſagen wolle, er wiſſe darauf nichts zu erwidern, denn es ſei die Wahrheit.
„Denken wir, es ſei eine Strafe Gottes“, nahm er nach einer Pauſe das Wort,„und wenn die Unſchuldigen mit den Schuldigen leiden müſſen, ſo lehrt ja die Erfahrung, daß dies zu allen Zeiten und in jedem Kriege ſo geweſen iſt. Warten wir ab, was die Loire⸗ Armee ausrichten wird. Im Norden iſt ebenfalls eine Armee im Anmarſch und Garibaldi wird bald mit ſeinen Schaaren aufbrechen, um in das deutſche Land einzufallen.“
„Ja, warten wir ab“, ſagte Erneſt, mit der Hand über die Stirn fahrend,„darf ich Sie jetzt an den Zweck meines Beſuchs erinnern?“
„Mein Freund, wir werden heute kein Reſultat erhalten.“
„Aber iſt heute nicht der Tag—“


