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27— Ich liebe Erneſt Lafleur, ich habe ihn geliebt ſeit dem Angenblicke meiner erſten Begegnung mit ihm, und ich fand in ſeinem Briefe die Beweiſe ſeiner innigen und tiefen Gegenliebe. Kann ich nun noch meinem Herzen gebieten, dieſer Liebe zu entſagen? Und wenn ich es könnte, wäre es mir möglich, dieſes Herz zur Liebe für Sie zu zwingen? Nein, nein, wir würden Beide unglücklich werden.“
„Wiſſen Sie das ſo beſtimmt?“
„Ja, ich fühle es, und je länger ich darüber nachdenke, deſto klarer wird es mir.“
Der Marquis war ſtehen geblieben, ein wildes, verzehrendes Feuer loderte in ſeinen funkelnden Augen, die feſt und unverwandt mit drohendem Ausdruck auf ihr ruhten.
„Und wenn ich nun dennoch dem erträumten Glücke nicht ent⸗ ſagen wollte?“ fragte er, mühſam an ſich haltend.
„Ich verſtehe Sie nicht, Herr Marquis.“
„Ach, Marie, Sie ſcheinen zu vergeſſen, daß Sie ſich in meinem Hauſe, in meiner Gewalt beſinden.“
„Mein Herr—“
„Marie, der iſt ein Narr, der das Glück nicht feſthält, der es nicht zwingt, ihm dienſtbar zu ſein.“
Das Mädchen war todesbleich geworden, Angſt und Entſetzen ſpiegelten ſich in ihren ſtarren Zügen. Sie wollte ſich erheben, aber kraftlos ſank ſie auf ihren Sitz zurück.
„Das kann Ihr Ernſt nicht ſein“, ſagte ſie bebend,„das wäre eine zu gewaltige Täuſchung, die mir den Glauben an Gott und die Menſchheit rauben würde.“
Der Marquis lachte bitter.
„Fragen Sie ſich, ob es nicht Ihre Schuld ſei, wenn ich dieſen Glauben ſchon verloren habe“, entgegnete er.„Glauben Sie wirklich, ich werde dem Proletarier das Feld räumen, ſchweigend zuſehen, wie er das Liebſte, was ich auf der Welt habe, in Beſitz nimmt? Nim⸗ mermehr werde ich das zugeben, nur über meine Leiche führt der Weg zu Ihnen.“
„Und Ihr Verſprechen?“
„Bah, es bindet mich jetzt nicht mehr.“
„Herr Marquis, Ihre Ehre—“ „Mahnen Sie mich nicht daran, Marie!“ fuhr der Edehnann zornig auf.„Ich halte das Glück feſt und opfere ihm Alles, Ehre


