Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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den ich Ihnen ſchulde, verpſlichte mich, Sie zu lieben, Sie glücklich

zu machen, aber ſtets fand ich eine Schranke zwiſchen Ihnen und

mir, die ich nicht niederreißen konnte. Fragen Sie mich nicht, was 7 9 I 3 9 17

dies ſei, ich weiß es ſelbſt nicht, mir iſt oft, als ob eine innere

Stimme mich vor ſolcher Liebe warne ich kann nicht, Herr Mar⸗ quis ich könnte es auch dann nicht, wenn Erneſt Lafleur nicht zwiſchen uns ſtände. Fordern Sie die Liebe einer Schweſter oder einer Tochter von mir, und ich werde Ihnen ſagen, daß Sie dieſelbe ſchon beſitzen, mehr aber kann ich Ihnen nicht ſein.

Der Marquis hatte die Hände auf den Rücken gelegt, er wan⸗ derte auf und nieder, um ſeine Erregung zu bemeiſtern. Von zu Zeit ſtreifte ſein Blick verſtohlen das bleiche Geſicht des ſchönen Mädchens, aber ſo oft er den blauen Augen begegnete, in denen er einen ſtummen Vorwurf las, wandte er das Antlitz ab.

Er fühlte ſelbſt die ganze Schwere des Unrechts, welches er be⸗ gehen wollte, aber die entfeſſelte Leidenſchaft erſtickte die warnende Stimme ſeines ſonſt ſo guten und edelmüthigen Herzens, er wollte die Erfüllung ſeines Wunſches erzwingen.

Die Liebe einer Schweſter, oder einer Tochter! wiederholte er mit ſchmollendem Groll.Glauben Sie, daß ich mich damit begnü⸗ gen könne? Sie geben zu, daß Sie mir Dank ſchulden, es iſt die Wahrheit; was ich für Sie that, würde kein Anderer für Sie ge⸗ than haben. Ich will Sie daran nicht erinnern, Sie fühlen es ja ſelbſt. Und was die Schranke zwiſchen uns Beiden betrifft, Marie, ſo kann ich ſie wirklich nicht ſehen. Vielleicht ſchreckt Sie mein Neich⸗ thum zurück, aber er gibt Ihnen ja die Mittel, jeden Wunſch zu be⸗ friedigen, wie meine Liebe Ihnen die heiterſte, ſorgloſeſte Zukunft ſichert. Wie könnten Sie hier noch zaudern? An der Seite Lafleur's würden Sie eine Exiſtenz voll Noth und Arbeit, voll Sorgen, Ent⸗ ſagungen und Demüthigungen finden, ich hingegen biete Ihnen Alles, was ein Frauenherz nur begehren mag. Und verlange ich dafür ein Opfer von Ihnen? Nein, ich biete Ihnen meine Hand an, ich werde mich noch heute mit Ihnen trauen laſſen, und Ihr Willee ſoll allein in dieſem Hauſe herrſchen.

Ich weiß das Alles, ſagte Marie leiſe,ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Güte, und um ſo tiefer ſchmerzt es mich, Ihr mich ehrendes Anerbieten ablehnen zu müſſen. Herr Marquis, Sie wollen die Wahrheit hören, ich darf ſie Ihnen nicht verhehlen.