Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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Marie, ich erkenne bereitwillig ſeine guten Seiten an, aber wie bald werden Noth und Sorgen ihn verbittern, ihm den häuslichen Heerd verleiden. Ich urtheile ruhig und mit nüchternem Blick, ich zittere für Sie vor dem Abgrunde, auf den Sie zuſchreiten wollen.

Nein, auch Sie ſind Partei, erwiderte das Mädchen,Ihr uUrtheil iſt befangen, es kann nicht frei von Vorurtheilen ſein. Ich kenne Lafleur beſſer, ich weiß, daß er eine höhere Bildung beſitzt, als man ſie ihm zutraut, und was ihm noch fehlt, das ergänzt ſeine geſunde Lebensanſchauung und ſein eiſernes, unermüdliches Streben.

Der Marquis hatte unwillig ſich erhoben. Jetzt konnte er nicht zweifeln, er hatte Gewißheit, eine Gewißheit, die ſeine ſchönſten Hoſſ⸗ nungen vernichteten, die plötzlich die Morgenröthe des ſo voſig an⸗ brechenden Tages wieder in finſtere Nacht verwandelte.

Es empörte ihn tief, daß er dieſem Nebenbuhler weichen ſollte, er konnte trotz alledem noch immer nicht glauben, daß Marie in Wahrheit ſo thöricht ſein werde, einen folchen Entſchluß zu faſſen.

Wenn Sie ſich der Worte erinnern, die ich in einer ſchwachen Stunde Ihnen geſagt habe, dann werden Sie fühlen und begreifen, wie ſchwer es mir wird, dem erträumten Glücke entſagen zu müſſen, nahm er mit bebender Stimme das Wort. ‚Sie werden begreifen, daß mir das unmöglich ſein wird, Marie! Ich bin nicht mehr der lebensfrohe Jüngling, der über eine ſolche Täuſchung ſich leicht hin⸗ wegſetzen und anderwärts Erſatz für das verlorene ſuchen kann, nein, ich bin ein Mann, der feſthält, was er hat, der mit dem Schickſal jeden Kampf aufnimmt.

Marie blickte betroffen zu ihm auf, ſein finſteres, entſchloſſenes Geſicht ſagte ihr noch mehr als ſeine Worte, obſchon die letzteren deutlich genug ſeinen Entſchluß verriethen.

Wenn ich in dieſen Worten eine Drohung erblicken wollte, ſo müßte ich glauben, daß Sie mein Vertrauen täuſchen wollen, ſagte ſie,aber ich mag und kann das nicht glauben. Sie haben mir Mangel an Mitgefühl vorgeworfen, es war ein ungerechter Vorwurf, denn ſtets empfand ich inniges Mitleid

Mitleid? fuhr der Edelmann auf.Ich verlange es nicht, von Ihnen am wenigſten, ich fordere Liebe.

Die ich Ihnen nicht geben kann, erwiderte das Mädchen mit ſchmerzlicher Wehmuth.Ich habe mich oft gefragt, ob es nicht möglich ſei, daß ich Sie lieben könne, ich habe mir geſagt, der Dank,

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