Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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„Ja, wir werden ſehen“, ſpottete der Vicomte ihr nach.„Par⸗ bleu, Madame, ich werde Ihnen fagen, welche Maßregeln ich zu treffen gedenke. Erſcheint Ihr Bruder, ſo wird er hinausgeworfen, wollen Sie das Haus verlaſſen, ſo wird der Portier ſich weigern, Ihnen die Thüre zu öffnen. Man wird Ihnen nicht erlauben, ein Billet hinauszuſchicken, man wird Sie unausgeſetzt beobachten und mir über Alles, was Sie thun, Bericht erſtatten. Findet Juſtine ſich ein, ſo wird man ſie in mein Kabinet ſühren, und es müßte mit ſeltſamen Dingen zugehen, wenn ich ſie nicht zwänge, mir die Papiere herauszugeben. Außerdem werde ich von dem Marquis Genugthuung fordern für den Schimpf, den er meinem Namen angethan hat, vielleicht führt das zu intereſſanten Enthüllungen, die ich als Beweiſe für Ihre Schuld in unſerm Scheidungsproceß benutzen kann. So werde ich handeln, ich lege meine Karte offen hin, nun ſpielen Sie Ihre Trümpfe aus, wenn Sie überhaupt noch glauben, das Spiel gewinnen zu können.“

Das hatte Cora nicht erwartet, dieſe Ruhe und Entſchloſſenheit beſtürzte und verwirrte ſie.

Sie hatte ſich der Gewißheit hingegeben, daß er um Gnade und Schonung bitten und alle Bedingungen eingehen werde, um die Ent⸗ deckung ſeines Verbrechens zu verhüten, nun ſand ſie ihn gegen Alles gerüſtet, und ſie mußte geſtehen, daß ſie ohnmächtig war gegenüber den Waffen, die er ihr zeigte.

„Was nun, Madame?“ fragte der Vicomte höhniſch.

„Ihr Benehmen muß mich empören“, erwiderte Cora zornig. „Sie haben kein Recht, mich als Ihre Gefangene zu behandeln!“

„Sehr wohl, verlaſſen Sie mein Haus für immer, dann ſind Sie frei.“

„Zahlen Sie mir die Hälfte unſeres Vermögens aus und ver⸗ pflichten Sie ſich, mir eine jährliche Rente zur Erziehung unſerer Kinder auszuſetzen, ſo bin ich dazu bereit.“

„Glauben Sie in der That, daß ich ſo dumm ſein werde, dieſe Forderung zu bewilligen.“

„Wohlan, dann bleibe ich.“

„So lange, bis das Gericht die Scheidung ausgeſprochen hat, aber keine Stunde länger.“

„Das iſt eine Infamie!“

„Keineswegs, jeder andere Mann an meiner Stelle würde ſo und nicht anders handeln.“