Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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Juſtine mit ihrem heiteren Temperament hatte bald einen Aus⸗ weg gefunden, ſie breitete einen Theil ihrer Garderobe auf dem Fuß⸗ boden aus und ſchaffte ſo für ſich und ihre Freundin ein Lager, welches freilich Manches zu wünſchen übrig ließ, aber für eine Nacht immerhin genügen konnte.

Dreiundzwanzigſtes Kapitel. Der Falſchmünzer.

Erneſt und Paul waren ohne vorheriges Verhör in eine Ge⸗ fängnißzelle gebracht worden, in der ſie einen ſchon bejahrten, hageren Mann fanden, der eine ſchwarze Binde um das rechte Auge trug und eleganter gekleidet war, als man es von dem Bewohner einer Kerkerzelle hätte erwarten können.

Die eiſerne Thüre wurde geſchloſſen; die Freunde ſahen ſich mit ihrem Schickſalsgefährten allein, der in einer Ecke der ziemlich ge⸗ räumigen Zelle ſtand und mit dem einen Auge die Beiden prüfend muſterte.

„Und das nennt man Gerechtigkeit?“ rief Paul wüthend.„Muß man nicht ſofort uns verhören, ſich überzeugen, ob wir ſchuldlos ſind oder nicht? Bei Gott—“

„Geduld, mein Freund“, fiel Erneſt ihm beruhigend in's Wort, „mit Vorwürfen und Beſchwerden werden wir nichts ändern. Der Marquis wird ſchon dafür geſorgt haben, daß wir hier vergeſſen werden, es liegt ja in ſeinem Intereſſe, uns zu beſeitigen, und er weiß ſo gut wie wir, daß ein Verhör unſere Schuldloſigkeit an den Tag bringen müßte.“

„Ein Verhör!“ ſpottete der Einäugige.„Was berechtigt Euch zu dieſer Forderung? Wißt Ihr denn nicht, daß wir nur die Perſonen, nicht aber das Syſtem der Regierung geändert haben?“

„Ja, Sie haben Recht“, ſagte Paul,„dieſe Republikaner ſind ganz dieſelben Despoten.“

„Vielleicht ſind ſie noch ſchlimmer, wie die kaiſerliche Regierung“, erwiderte der Einäugige achſelzuckend.„Verhaften kann Jeder, der die Gewalt hat, aber Gerechtigkeit üben—“

„Bah, Gerechtigkeit“, höhnte Paul.„Mir ſcheint, die berüchtigten lettres de cochet, die geheimen Haftbefehle, ſollen wieder eingeführt