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Auf einem Strohſacke lagen die vier Kinder der Wittwe, ſie hielten ſich umſchlungen und lächelten im Schlaf; es war ein lieb⸗ liches Bild, welches die Mädchen mit Entzücken betrachteten.
„Das iſt Ihr Werk“, ſagte die Mutter bewegt,„ich danke Ihnen noch heute tauſend, tauſendmal dafür! Mußte es mir nicht das Herz brechen, als dieſe reizenden Geſchöpfe nach Brod ſchrieen, um ihren Hunger zu ſtillen?“
„O, ſtill, ſtill“, erwiderte Juſtine leiſe, ſtören wir nicht ihren Schlaf. Bewohnen Sie nur dieſes eine Zimmer?“
„Ja.“
„So werden Sie uns kein Obdach geben können.“
„Ihnen gebe ich Alles, was ich habe—“
„Nicht ſo, reden wir ruhig und vernünftig darüber. Wir ſind verfolgt, wir haben keine Freunde, zu denen wir flüchten können Aber wir bedürfen nichts weiter, als eine Wohnung, Madame, mit Geld ſind wir hinreichend verſehen.“
„Die Zimmer nebenan ſtehen leer“, ſagte Frau Bouhon,„eine deutſche Familie bewohnte ſie; kurz nach dem Ausbruch des Krieges mußte ſie flüchten.“
„Wohlan, ſo werden wir dieſe Zimmer miethen.“
„Ich hoffe, ſie genügen Ihnen.“
„Wir nehmen mit der beſcheidenſten Manſarde vorlieb“, verſetzte Juſtine.„Ich ſagte Ihnen ſchon, Geld haben wir genug. Wir werden fortan eine einzige Familie bilden, Ihre Kinder ſollen nicht mehr darben.“
„Aber darf ich das annehmen?“
„Gewiß, Sie beſorgen die Einkäufe, Madame, und führen den Haushalt, außerdem werden Sie uns dadurch vor den Verfolgungen unſerer Feinde ſchützen, daß Sie etwaigen Nachforſchungen mit der Erklärung entgegentreten, wir ſeien Ihnen gänzlich unbekannt.“
„Und das iſt Alles?“ fragte Frau Bouhon.
„Alles, Madame, das Weitere erzählen wir Ihnen morgen, ſo⸗ bald ich mit dem Concierge geſprochen und die Zimmer gemiethet habe. Jetzt wollen wir ſchlafen.“
„Leger Sie ſich dorthin“, ſagte die Wittwe, auf einen Strohſack zeigend, auf dem ſie ſelbſt geruht hatte, aber die Mädchen wollten dieſes uneigennützige Anerbieten nicht annehmen, ſie beharrten dabei, auf einem Stuhle übernachten zu wollen.


