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Es war ein unangenehmer und mit Gefahren verknüpfter Gang, und die Mädchen athmeten erleichtert auf, als ſie das Ziel ihrer Wanderung erreicht hatten.
Das Haus war verſchloſſen. Juſtine zog an der Glocke, nach langem Warten wurde die Thüre geöffnet.
„Wer da?“ rief die rauhe Stimme des Concierge, als ſie eintraten.
„Wir wollen zu Madame Bouhon“, ſagte Juſtine, die raſch an das Fenſter der Schließerloge trat und dem wachſamen Hüter des Hauſes ein Geldſtück in die Hand drückte.
„Drei Treppen, zweite Thüre links“, lautete die Antwort des Portiers, der jetzt einen ſehr freundlichen Ton anſchlug.„Warten Sie, meine Damen, ich werde Sie begleiten und Ihnen leuchten.“
Mit einer brennenden Kerze in der Hand trat er aus ſeiner Loge heraus; er muſterte die Mädchen mit einem prüfenden Blick, murmelte einige unverſtändliche Worte in den Bart und ſchritt ihnen voran die Treppen hinauf.
„Sie ſind hier am Ziele“, ſagte er, vor einer Thüre ſtehen blei⸗ bend.„Aber was in aller Welt führt Sie ſo ſpät in der Nacht zu der armen Frau?“
„Wir ſind mit ihr verwandt“, erwiderte Juſtine ruhig.
„Hm— die Frau hat ſelbſt nichts.“
„Eben deshalb bringen wir etwas.“
„Parbleu, dann werden Sie willkommen ſein. Klopfen Sie nur an, meine Damen, der Hunger hat einen leiſen Schlaf.“
Schon in der nächſten Minute wurde die Thüre geöffnet, im leichten Nachtgewande ſtand Frau Bouhon auf der Schwelle.
Juſtine bat den Concierge, ihr die Kerze zu überlaſſen und trat mit ihrer Freundin ein.
„Mein Gott, Sie ſind es?“ fragte die Wittwe überraſcht, als ſie jetzt das Mädchen erkannte.
„Wie Sie ſehen, Madame“, erwiderte Juſtine heiter,„und ich danke dem Himmel, daß wir endlich ein Obdach gefunden haben, unter dem wir vor den Verfolgungen unſerer Feinde geſichert ſind. Sie hatten mich früher erwartet, aber es war mir nicht möglich, mein Verſprechen eher einzulöſen.“
In ſprachloſem Erſtaunen betrachtete Frau Bouhon noch immer die beiden Mädchen, die ihre Blicke fragend durch das kahle, dürftig
ausgeſtattete Zimmer ſchweifen ließen.


