Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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„Wollt Ihr wirklich uns daran hindern?“ fragte Juſtine ſpöt⸗ tiſch.„Wohlan, es wird einen heilloſen Lärm geben, aber Ihr müßt ja wiſſen, ob Euch dies nicht unangenehm werden kann. Die Haus⸗

genoſſen werden herbeilaufen, und vielleicht komnit auch noch von draußen die Wache, wir würden dann freilich Alle verhaftet, aber mir kann man nur beweiſen, daß ich aus Nothwehr den Schurken tödtete, dem Ihr die Unſchuld meiner Freundin verkauft hattet. Was man dagegen Euch beweiſen kann, das werde ich Euch vor dem Richter zeigen.“

Madame Gourdin war von ihrem Sitze aufgeſprungen, ſie ſchien entſchloſſen zu ſein, den Kampf aufzunehmen, nicht ſo die Wahrſagerin, die ihre Genoſſin am Kleide zurückhielt.

„Laßt ſie gehen“, flüſterte Madame Leroi,„wir finden ſie wieder, dann haben wir freies Spiel; jetzt iſt die Geſchichte ohnehin verpfuſcht, und Lärm müſſen wir vermeiden.“

„Dieſe elenden Dirnen ſollen nicht triumphiren“, ſagte Madame Gourdin mit heiſerer Stimme.

„Nein, ſie ſollen es nicht“, erwiderte ihre Genoſſin,„aber nur jetzt keinen Lärm, die Leiche zeugt gegen uns.“

Madame Gourdin ſank auf ihren Sitz zurück, ein flammender Blick traf aus ihren boshaften Augen die beiden Mädchen, die Arm in Arm der Thüre zuſchritten.

Juſtine ſchob den Riegel zurück und öffnete, die Mädchen ſchritten hinaus und verließen das Haus.

„Wohin nun?“ fragte Louiſon.

„Rue Jean Jacques Rouſſeau, Nr. 46“, antwortete Juſtine. „Es iſt nicht ſehr weit von hier, und die kühle, friſche Nachtluft wird Dir wohlthun.“

Sie ſchritten eilig in der bezeichneten Richtung von dannen.

Dann und wann begegnete ihnen ein Trupp berauſchter Soldaten; ſo oft ſie einen ſolchen bemerkten, traten ſie unter einen Thorweg oder hinter einen Mauervorſprung, weil ſie von der Rohheit dieſer Burſchen das Schlimmſte befürchten mußten. Aber da trotz der ſpäten Stunde die Straßen noch immer belebt waren, konnten ſie es nicht vermeiden, daß ſie zu verſchiedenen Malen von dem umher⸗ ſchweifenden Geſindel aufgehalten und mit rohen Spottreden verfolgt

wurden; ſelbſt die Patrouillen der Nationalgarde, welche den Dienſt der öffentlichen Ordnung und Sicherheit verſahen, ließen es an ver⸗ letzenden Bemerkungen nicht fehlen.