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Dieſe überraſchende Entdeckung feſſelte ſofort die ganze Aufmerk⸗ ſamkeit des Mädchens, das Gold hatte in dieſer ſorgenſchweren Zeit doppelten Werth.
Sie las die Goldſtücke auf und überwand ſelbſt ihr Grauen, um
die Taſchen des Todten zu durchſuchen.
Eine ſo reiche Ernte hatte ſie nicht erwartet, ſie vermuthete, es ſei der Sündenlohn, den die Megären ſich ausbedungen hatten und fie trug kein Bedenken, ſich die Beute anzueignen. In eine Reiſe⸗ taſche packte ſie die Rollen und Banknoten, dann legte ſie ihre Gar⸗ derobe und Wäſche hinein, um in jedem Augenblick zum Abmarſche gerüſtet zu ſein.
Die kalten Waſchungen hatten inzwiſchen die betäubende Wirkung des Schlaftrunks gehoben, Louiſon erwachte und ſah verwirrt ihre Freundin an, die neben dem Bette ſtand, und deren ernſte Züge ihr ſofort verriethen, daß etwas Außergewöhnliches ſich ereignet haben mußte.
„Steh' auf und kleide Dich an“, ſagte Juſtine,„wir müſſen dieſes Haus augenblicklich verlaſſen.“
Mechaniſch gehorchte Louiſon, der ſtechende Schmerz in ihrem Kopfe machte es ihr unmöglich, einen klaren Gedanken zu faſſen. Sie verließ das Bette; ihr erſter Blick fiel auf die Leiche, ein leiſer Schrei der Angſt und des Entſetzens entfuhr ihren Lippen.
„Kennſt Du den Burſchen?“ fragte Juſtine höhnend. Im Schlaf ſollteſt Du an ihn verkauft werden, und die, welche Dich verkauft hatten, ſitzen nebenan und berathen, wie ſie ihr ſchändliches Werk vollenden wollen.“
Louiſon barg das Antlitz in ihre Hände, ihr ſchauderte vor der Gefahr, welche ſie bedroht hatte, der Anblick der Leiche war ihr entſetzlich.
„Aber wie iſt das Alles gekommen?“ fragte ſie mit bebender Stimme.„Wer hat dieſen Mord begangen?“
„Nennſt Du es auch einen Mord?“ antwortete Juſtine vorwurfs⸗ voll.„Würdeſt Du nicht daſſelbe gethan haben, wenn die Waffe in
Deiner Hand geweſen wäre? Die Taſſe Kaffee, welche das Weib Dir
gab, betäubte Dich, Du warſt ſchutz⸗ und wehrlos dem Scheuſal preis⸗ gegeben. Auch mich wollte ſie betäuben, aber mich konnte ſie nicht überliſten. Dort ſteht der Kaffee, mag ſie ihn ſelbſt trinken, um für einige Stunden ihre Schande zu vergeſſen. Kleide Dich an, Louifon, wir müſſen gehen.“


