Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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Madame Leroi war mit einem Schreckensruf zurückgeprallt, ihre Genoſſin hingegen ſchien entſchloſſen zu ſein, ſich auf das Mädchen zu ſtürzen.

„Zurück!“ rief Juſtine, die jeder Bewegung der Megären folgte, „ſo wahr ich hier vor Euch ſtehe, wird dieſe Klinge auch Euer Herz durchbohren, wenn Ihr es wagt, mich anzurühren.“

„Du ſollſt es büßen“, knirſchte Frau Gourdin mit heiſerer Stimme, „dieſer Stunde ſollſt Du gedenken, bis Du Deinen Kopf unter das Henkerbeil legſt.“

„Für Euch iſt das Beil geſchliffen, nicht für mich“, entgegnete das Mädchen, ſich hoch aufrichtend.„Geht und ruft die Wache, elende Kanaille, wir werden gemeinſchaftlich in's Gefängniß wandern. Dann aber werde ich den Richtern Dinge erzählen, daß ihnen die Haare zu Berge ſteigen ſollen.“

„Was hatte dieſer Mann Dir gethan?“ ſchrie das Weib, deren Wuth durch die Ruhe Juſtinens geſteigert wurde.„Du haſt einen Mord begangen—“

„Geht und ruft die Wache“, unterbrach das Mädchen ſie verächtlich, „ſtrommelt die Hausgenoſſen zuſäammen, thut, was Ihr wollt, Ihr werdet nur die Vergeltung herausfordern! Und jetzt eiris⸗ oder bei Gott, ich ſchicke auch Euch in's Jenſeits.“

„Kommt, kommt“, ſagte Madame Lerdi mit einem giftigen Blick auf Juſtine,„mit der Raſenden iſt jetzt nichts anzufangen, wir müſſen warten.“

Inſtine trat auf die Weiber zu, ihre drohende Halkung ſchüchterte

jetzt auch Madane Gourdin ein, hinter ihnen flog die Thüre in's

Schloß, wenige Minuten ſpäter hatte das Mädchen dieſe Thüre von innen verbarrikadirt, um ſich gegen einen Ueberfall zu ſichern.

Segur war todt, entſetzt wandte Juſtine den Blick von dem ſtarren, verzerrten Geſichte mit den weit geöffneten, gebrochenen Augen ab.

Sie nahm das Waſchbecken und benetzte Stirn und Schläfen ihrer Freundin, welche der Lärm nicht geweckt hatte.

Unermüdlich ſetzte ſie ihre Bemühungen fort, ohne dabei ihre

Aufmerkſamkeit von der Thüre benbenden, ſie mußte ja auf Alles zefaßt ſein.

Und als ſie nun zufällig wieder auf die Leiche blickte, ſah ſie den Boden mit Goldſtücken bedeckt, die aus den Taſchen des Wüſtli zefallen ſein mußten.

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