Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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Was blieb ihr übrig, wenn der Hunger in den Eingeweiden wüthete und ſie ſich vergeblich nach der rettenden Hand eines Freundes umſchauen mußte?

Arbeit? O, wie gerne hätte ſie gearbeitet, aber was galt in dieſer Zeit die Arbeit in Paris! Niemand verlangte ſie, Nieman bezahlte fie.

Und doch waren ſo viele Frauen und Mädchen in Paris, welche ſich in derſelben Lage befanden!

Juſtine hatte ihr geſagt, ein großer Theil derſelben ſei mit der Anfertigung von Patronen beſchäftigt, andere hätten als Kranken⸗ wärterinnen in den verſchiedenen Lazarethen ein Unterkommen gefun⸗ den, und eine weitere Zahl beſchäftigte ſich mit der Anfertigung von Luftballons.

Aber wenn es ihr nun nicht gelang, ein ſolches Unterkommen zu finden? Wenn ſie auf die Straße hinausgeſtoßen wurde, was dann?

Dann blieb ihr nur die Wahl zwiſchen dem Hungertod und der Schande.

Louiſon bedeckte das Antlitz mit den Händen, ſie durfte ſo weit nicht denken, der Gedanke an die Nothwendigkeit dieſer Wahl drohte ſie wahnſinnig zu machen.

Sie fühlte eine bleierne Schwere in allen Gliedern, es waren wohl die heftigen Gemüthserſchütterungen, was ihre Kräfte ſo voll⸗ ſtändig erſchöpft hatte.

Vielleicht fand ſie Vergeſſenheit im Schlafe, vielleicht zeigte ihr Schutzengel ihr im Traume einen Ausweg aus dieſem Labyrinth von Sorgen und Gefahren.

Sie dachte an die Vorräthe ihres Vaters, vielleicht war es dennoch für ſie das Beſte, wenn ſie zu ihm zurückkehrte, mochte er auch abermals ſie einſperren und als eine gefangene Verbrecherin behandeln.

Sie kleidete ſich aus und ſank nach wenigen Minuten in tiefen Schlummer.

Eine Stunde ſpäter kehrte Juſtine zurück.

Madame Gourdin blickte betroffen auf, ſie ſchien das Mädchen heute Abend nicht mehr erwartet zu haben.

Juſtine war gewohnt, ſcharf zu beobachten, ihr entging die Ver⸗ legenheit des alten Weibes nicht, ſie ahnte ſofort, daß derſelben eine beſondere Urſache zu Grunde liegen mußte.

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