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Juſtine war an demſelben Abend ſchon früh ausgegangen, nachdem ſie vorher ihre Freundin zur Vorſicht ermahnt hatte.
Madame Gourdin war ſeit dem Auftritt mit den beiden Mädchen die Artigkeit und Höflichkeit ſelbſt, und ein unbefangener Beobachter würde gegkaubt haben, zwiſchen ihr und den Mädchen müſſe ein ſehr angenehmes Verhältniß herrſchen, aber Juſtine kannte ſie zu genau, um nicht zu wiſſen, daß das nur eine Maske war, hinter der eine tückiſche Rachſucht ſich verbarg.
Louiſon ließ ſich ebenfalls nicht täuſchen, hätte ſie gewußt, wohin ſie flüchten könne, ſo würde ſie ſelbſt zur Gewalt ihre Zuflucht genommen haben, um ſich die Freiheit zu verſchaffen.
Ihre erfolgloſen Bemühungen bei Pierre Bandau und die Ver⸗ haftung der beiden Freunde hatte Juſtine ihr berichtet, und es war begreiflich, daß dieſe Mittheilungen einen niederdrückenden Eindruck auf ſie machten.
Jetzt hatte ſie keinen Zufluchtsort mehr, ſie ſah ſich auf Gnade und Ungnade den ſchändlichen Plänen der alten Weiber preisgegeben, denn auch von dem Beiſtande Juſtinens erwartete ſie nicht viel.
Madame Gourdin hatte ihr zum Abendbrod eine Taſſe Kaffee mit einem Stück Brod vorgeſetzt, und Louiſon zog ſich gleich darauf in das Schlafgemach zurück, weil ſchon der Anblick des alten Weibes ihr widerwärtig war.
Sie ſtand lange am Fenſter und blickte zum geſtirnten Nacht⸗ himmel hinauf, darüber nachdenkend, was wohl der Grund der plötz⸗ lichen Verhaftung ihrer Freunde ſein könne.
Dieſe Verhaftung hatte ſie der letzten Hoffnung beraubt, denn daß ſie in das väterliche Haus nicht heimkehren durfte, war ihr von Anfang an zweifellos geweſen.
Wohl ſchmerzte ſie die Herzloſigkeit des Vaters, aber ſie hatte auch keine andere Antwort erwartet, ja, der Freundin ſogar abgerathen, den nutzloſen Schritt zu unternehmen.
Bilder der Vergangenheit zogen an ihrer Seele vorüber, düſtere, troſtloſe Bilder einer freudloſen Kindheit.
Ob die Zukunft ſie für dieſe Vergangenheit entſchädigen würde?
Ja, wer ihr auf dieſe Frage eine Antwort gegeben hätte!
Was ſollte ſie beginnen, wenn die Schreckniſſe der Belagerung auch über ſie hereinbrachen, wie ſie jetzt ſchon über ſo manche arme Familie hereingebrochen waren?
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