Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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Nein.

Aber Sie ahnen ihn?

Erneſt war im erſten Augenblick verwirrt, er entſchloß ſich ungern zu dem Geſtändniß, welches er am liebſten vermieden hätte, aber der ſcharfe, durchdringende Blick des Edelmannes verrieth ihm nur zu denlich⸗ daß er nicht leugnen durfte.

Ja, ich ahne ihn, ſagte er leiſe.

Sie kennen überhaupt unſere Geheimniſſe? Ich leugne das nicht, der Zufall weihte mich in ſie ein.

Und nun erzählte Erneſt dem Edelmann, welcher Zufall ihm die geheime Thüre entdeckt, und welches Geſpräch er belauſcht hatte.

Der Marquis verzog keine Miene, der Ausdruck ſeines Geſichts blieb ruhig und freundlich.

Sie ſcheinen in der Kunſt, Geheimniſſe zu erforſchen, ſehr be⸗ wandert zu ſein, ſagte er, und eine leiſe Ironie klang doch in ſeinen Worten durch,vorzüglich, was geheime Thüren und Gänge betrifft.

Ich bin Tiſchler, gnädiger Herr

Es bedarf keiner Entſchuldigung, ich zürne nicht Ihnen, ſondern dem Herrn, der ſo unklug war, Sie in dem Gemach allein zu laſſen. Die Langeweile iſt die Feindin alles Guten, Sie beabſichtigten keine Spionage, ich weiß das.

Gott iſt mein Zeuge

Gut, gut, ich vertraue darauf, daß Sie deigene werden.

Thäte ich es nicht, ſo wäre ich ein Verräther

Und der Lohn des Verraths würde Ihnen werden. Zudem wüßte ich auch nicht, wem Ihr Verrath hier Nutzen bringen könnte, die Pariſer würden unſerm Plane zujauchzen und Jeden zertreten, der es wagen wollte, ihn zu verdammen.

Und dennoch verdamme ich ihn! ſagte Erneſt furchtlos.Herr Marquis, es iſt Meuchelmord, den ſelbſt die Kriegsgeſetze und Ge⸗ bräuche nicht erlauben.

Der Edelmänn hatte das Haupt erhoben, er blickte mehr über⸗ raſcht als entrüſtet dem jungen Manne in die flammenden Augen

Iſt es ſo verwerflich, den zu tödten, der über ein ganzes Land Unglück und Elend gebracht hat? fragte er.

An wen denken Sie?

An den König von Preußen.

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