Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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392 Rnfang des 2 Bandes.

Vielleicht wäre es Manchem erwünſcht geweſen, wenn der Feind mich aufgegriffen und erſchoſſen hätte, erwiderte er.

Was wollen Sie damit ſagen?

Entſchuldigen Sie, gnädiger Herr, man ſteht oft einem Menſchen

Wege, ohne ſelbſt eine Ahnung davon zu haben.

Der Marquis ſchüttelte lächelnd das Haupt.

Das klingt ſeltſam aus dem Munde eines jungen, kühnen und thatkräftigen Mannes, der gewiß keinen Feind zu fürchten braucht, ſagte er.Aber nun erzählen Sie, haben Sie meine Briefe abgegeben?

Alles iſt beſorgt.

Und die Antwort?

Befindet ſich im Kragen dieſer Uniform.

Der Marquis nahm ein Federmeſſer von ſeinem Schreibtiſche und näherte ſich dem jungen Manne.

Bleiben Sie ruhig ſitzen, fagte er freundlich,Sie können nach⸗ her im Nebenzimmer Ihren eigenen Anzug wieder anlegen.Wes⸗ halb kehrten Sie nicht ſofort zurück?

Ich wurde von den Vorpoſten aufgehalten, ſie wollten mich nicht durchlaſſen, und die Gefahr, verhaftet zu werden, war mir ſchon nahe. Ich mußte warten, mein Glück an einer anderen Stelle verſuchen und zuletzt noch mich der Hülfe eines deutſchen Soldaten bedienen, der arglos mir Vertrauen ſchenkte.

Und wann kamen Sie hier an?

Vor einer Stunde.

Ich bewundere Ihren Muth und Ihren Scharfſinn, mein Freund, Sie haben der Republik einen großen Dienſt geleiſtet.

Mit dieſen Worten trat der Marquis an ſeinen Schreibtiſch zurück, die Briefe aus Verſailles waren in ſeinen⸗Händen.

Während er ſie las, betrachtete Erneſt ihn, und es entging ihm nicht, daß dem Ausdruck hoher Befriedigung, der Anfangs ſich über das Geſicht des Edelmannes breitete, bald ein Zug tiefen Ernſtes, ja des Aergers folgte.

Endlich legte der Marquis die Papiere hin, und ſein Antlitz zeigte jetzt wieder die frühere gewinnende Freundlichkeit.

Sind Sie in Verſailles gut aufgenommen worden? fragte er.

Gewiß, ich kann mich nicht beklagen.

Und kennen Sie den Inhalt dieſer Briefe?

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