Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Fan.

u, aber im ne dünnen

Verlockungen widerſtehen. An den Männern liegt es nicht, daß die Unſittlichkeit ſo überhand genommen hat, es liegt an Denen, die für ein Goldſtück Tugend und Unſchuld, Ehre und guten Ruf bereitwillig verkaufen.

Können Sie das auch mir vorwerfen? fragte die Frau, ſich hoch aufrichtend und den buckligen Schuft mit einem vernichtenden Blick meſſend.Wollen Sie ſich nicht mehr erinnern, wie ich mit Ihnen gerungen habe? Haben Sie all' die ſüßen Worte ſchon ver⸗ geſſen, mit denen Sie meine Gewiſſensbiſſe zu beſchwichtigen ſuchten? Es gelang Ihnen nicht, mich zur Maitreſſe zu gewinnen, wie Sie es ſo gerne gewollt hätten, ich blieb ſtandhaft, und als meine Bitten nicht mehr fruchteten, da verbot ich Ihnen unſer Haus.

Und das war ſehr unklug.

Aber ich bewahrte mir den Frieden am häuslichen Heerd, und das war mir werthvoller, als alle Schätze, die Sie mir bieten konn⸗ ten. Mein Mann erfuhr meine Schmach nicht, und ich konnte es nicht über mich gewinnen

He, Madame, ſind Sie nur deshalb gekommen, um mich an jene Zeit zu erinnern? rief der Wucherer ärgerlich.Was ſcheert mich die Vergangenheit, ich habe an andere Dinge zu denken.

Die Frau ſeufzte tief auf.

Nein, deshalb kam ich nicht, ſagte ſie,ich würde Sie nicht daran erinnert haben, wenn Sie mich erkannt hätten. Für mich hat jene Zeit ja auch keine angenehme Erinnerung. Mein Mann iſt vor einem halben Jahre geſtorben, er hinterließ mir nichts, als vier kleine Kinder, er iſt ſtets ein armer Handwerker geblieben, der keine Er⸗ ſparniſſe zurücklegen konnte.

Wie es immer geht, ſpottete der Wucherer.So lange das Geſchäft noch etwas abwirſt, wird in Saus und Braus gelebt, heute mit Sack und Pack nach Neuilly, morgen nach Bougival, übermorgen in die Champs Elyſées

Schmähen Sie meinen Gatten nicht, fiel die Frau empört ihm in's Wort,es war ein braver Mann, dem man nichts Böſes nach⸗ tragen kann. Wenn Sie auch vergeſſen wollen, daß Sie ihm Ihr Leben verdanken, ſo bedenken Sie wenigſtens, daß er unter dem aſen ruht. Ich habe für meine Kinder gearbeitet, und mein Tagelohn reichte hin, uns dir zu ernähren, aber ſeitdem der Krieg ausgebrochen iſt, wurde die Arbeit weniger, und jetzt hat ſie ganz aufgehört.